Evangelische Kirche von Westfalen: Reformprozess Kirche mit Zukunft
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 Reformprozess der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Evangelische Kirche von Westfalen

Personal und Mitgliederorientierung

In der kommenden Woche (15.bis 19.11.2004) tagt die Landessynode der Evangelischen Kirche von Westfalen. Auch in diesem Jahr werden sich die Synodalen mit dem Reformprozess "Kirche mit Zukunft beschäftigen. Im folgenden Interview gibt der Vorsitzende des Prozess-Lenkungsausschusses Peter Burkowski einen Ausblick auf die reformprozessrelevanten Themen der Synode.

<typohead type="4">Herr Burkowski, welche Themen stehen in diesem Jahr an?</typohead>

Es gibt zwei große Themenkomplexe, auf die ich in meinem Bericht eingehe: "Unter den gegenwärtigen Bedingungen in der Kirche miteinander arbeiten" und  die Mitgliederorientierung als Leitbegriff kirchlichen Handelns. Dazu gibt es ja auch eine Vorlage, über die beraten wird.

<typohead type="4">Sollte nicht eigentlich auch das Pfarrbild behandelt werden?</typohead>

Das ist richtig. Die Auftragslage der Landessynode 2001 erwartet Ausarbeitungen zur Personalplanung und -entwicklung für Hauptberufliche und zum Pfarrbild. Damit sind zwei Projektgruppen beauftragt worden. Und in diesem Jahr wäre die Projektgruppe III "Pfarrbild" dran gewesen. Doch die Dinge haben sich zu 2001 verändert. Auf einer Veranstaltung zum Pfarrbild im Mai diesen Jahres wurde ganz deutlich, dass die alte Trennung nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Wir müssen Antworten finden für alle, die in der Kirche miteinander arbeiten. Und zwar unter den gegenwärtigen Bedingungen.

<typohead type="4">Was sind die gegenwärtigen Bedingungen?</typohead>

Da ist zum einen der weitere Rückgang der Gemeindegliederzahlen und zum anderen die Verlagerung der Finanzverantwortung für die Pfarrstellen auf die Ebene der Kirchenkreise. Sie sind jetzt für die Zahl und die Finanzierung der Pfarrstellen zuständig. In der Umsetzung dieses Finanzausgleichsgesetzes entstehen nun starke Auseinandersetzungen über die finanziellen Anteile von Pfarrbesoldung und Mitteln für andere Berufsgruppen in der Kirche. Kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben oft den Eindruck, dass sie von dem bezahlt werden sollen, "was übrig bleibt". Meines Erachtens zu Recht. Momentan ist eine Personalplanung in der Kirche auf die Frage einer schnellen Reduzierung von Personalkosten und Stellenabbau konzentriert, da kann es nicht mehr nur allein um die Fragen Laufbahn und Aufstieg, von Qualifikation und beruflicher Veränderung gehen.

<typohead type="4">Sie haben also Verständnis für die Proteste kirchlicher Mitarbeitender im Vorfeld der Synode?</typohead>

Ja. Wenngleich ich glaube, dass dort zu sehr auf die Pfarrer geschaut wird. Den Druck, die Not und Sorge der Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz will ich ernst nehmen. Doch wir brauchen in der Kirche beide, Pfarrer und Mitarbeitende. Wir müssen die Relation beibehalten. Es geht nicht darum, den einen gegen den anderen auszuspielen.

Peter Burkowski auf der Synode 2003.

<typohead type="4">Zurück zu der Synode. Was wird also mit der Ausarbeitung der Projektgruppe "Pfarrbild"?</typohead>

Wir haben im Mai die isolierte Arbeit am Pfarrbild angehalten und wollen die Ergebnisse in die Gesamtdiskussion einbringen. Der Landessynode 2005 werden wir dann eine Ausarbeitung vorlegen. Da sie die aktuellen Herausforderungen und den realen Arbeitsplatzabbau in unserer Kirche aufnehmen muss, soll sie die Überschrift tragen "Unter den gegenwärtigen Bedingungen in der Kirche miteinander arbeiten".

<typohead type="4">Eine konkrete Vorlage steht aber zur Beratung an?</typohead>

Ja. Die Handreichung "Mitgliederorientierung als Leitbegriff kirchlichen Handelns". Ich finde sie sehr gelungen, weil sie sehr konkret ist und mit vielen Anregungen für die Praxis aufwartet. Sie bietet Schritte zur Orientierung.

<typohead type="4">Wie schätzen sie den Stand des Reformprozesses in diesen schwierigen Zeiten ein?</typohead>

Es bewegt sich was. Ich nehme wahr, dass viele sich ermutigt fühlen, etwas zu tun und nach Unterstützung fragen. Über Veränderungen in unserer Kirche, in den Gemeinden, Kirchenkreisen und Gestaltungsräumen, über Fusionen, neue geistliche Aufbrüche, einladende neue Projekte oder fantasievolle Ideen zum ehrenamtlichen Engagement können wir nur alle miteinander und einander berichten. Das ist eigentlich für mich der Veränderungsprozess und Reformprozess "Kirche mit Zukunft". Da haben Menschen in unsrer Kirche Mut bekommen, sich zu verändern, aufzubrechen, neue Wege zu wagen. Da werden mit Nachbargemeinden und -kirchenkreisen neue Perspektiven. Zusammenarbeit wird tragfähig und spürbar. Das ist für mich "Kirche mit Zukunft", auch dann wenn im kommenden Jahr die Arbeit von Projektgruppen und Prozess-Lenkungsausschuss beendet sein wird. "Kirche mit Zukunft" ist als grundlegender Veränderungsprozess, als Aufbruch unter der Verheißung unseres Gottes, ein Dauerauftrag ohne Fristbindung.

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Seite geändert am 23.12.08, 15:34

 

 Zitat zum Reformprozess:
Wenn Kirche ihrem Auftrag treu bleiben will, muss sie sich ständig ändern. Leider halten viele Menschen Kirche immer noch für altertümlich, verstaubt und in verkrusteten Strukturen verharrend. Ich möchte mithelfen, dieses Bild zu korrigieren.“
Anke Schröder
PG IV