Noch einmal zurück zu den Aufgaben des Reformbeirates, welche Themen sollten ihrer Einschätzung nach zuerst angegangen werden?
Die Beschlüsse, die schon gefasst wurden, haben Priorität. Von der Landessynode 2005 muss am Pfarrbild gearbeitet werden. Und an den Fragen des unter den gegenwärtigen Bedingungen miteinander Arbeitens in unserer Kirche. Dazu gehören auch die Personalentwicklung und -planung. Da müssen wir zügig ran.
Und unser Kirchenbild mit seinen zehn Leitsätzen wollen wir noch besser bekannt machen.
Auch die Ausprägung unserer Verfassungsgrundlage, die presbyterial-synodale Ordnung, muss auf ihre Ausgestaltung und Tragfähigkeit überprüft werden, damit unsere Kirche heute ihrem Auftrag gerecht werden kann, „die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk“ - wie es in der Barmer Theologischen Erklärung heißt.
Wie wird die weitere Arbeit auf der Landessynode verankert?
Wenn es die Kirchenleitung will, wird auch weiter über den Stand der Dinge berichtet werden. Aber entscheidend wird für die Arbeit des Reformbeirates sein, dass vor allem zwischen den Synodaltagungen Impulse ins Land gehen, Ergebnisse und Ideen kommuniziert werden.
Wie soll dieses „ins Land“ umgesetzt werden?
Es ist angedacht, ein Forum für best-practice-Modelle einzurichten. Damit viele voneinander erfahren und lernen können. Nicht jeder und jede muss das Rad vor Ort neu erfinden, wenn an anderen Orten schon Erfahrungen vorliegen. Auch hier heißt das Stichwort Kommunikationsverbesserung. Deshalb ist darüber hinaus auch über ein angemessenes Berichtswesen nachzudenken, das Daten transparent macht. Damit auf einigermaßen gesicherter Grundlage Entscheidungen für Entwicklung und Abwicklung getroffen werden können.
Eine kurze Rückschau auf den Reformprozess, wie er bis dato gelaufen ist. Wie schätzen Sie die bisherige Arbeit ein?
Unter vielen Aspekten hat der Reformprozess innerhalb unserer Kirche schon zu guten Ergebnissen geführt. Wesentliche Veränderungen sind durch ihn angestoßen worden. Wenn auch oft die Kirchenkreise und Gemeinden die Veränderungen gar nicht ursächlich auf den Reformprozess zurückführen. Die Wahrnehmung hat sich in den vergangenen fünf Jahren grundsätzlich geändert. Nehmen sie beispielsweise den demografischen Wandel. Ein Thema, was vor dem Prozess viele nicht im Blick hatten. Mittlerweile haben alle in der Kirche dieses vor Augen.
Es hat sich also vieles verbessert?
Ja. Beispielsweise die Kommunikation unter denen, die in unserer Kirche Verantwortung übernommen haben. Sie ist intensiver und dichter geworden. Man verständigt sich über Aufgaben und Ziele, tauscht sich über Belastungen aus und sucht gemeinsam nach Entlastungen.
Überhaupt spüre ich ein hohes Bedürfnis nach Kommunikation. Ein gutes Beispiel war auch der Tag der Presbyterinnen und Presbyter. Dort war der Wunsch nach konkreter Information, wie man den Wandel gestalten kann, sehr hoch. Wie gesagt, dem gilt es weiter Rechnung zu tragen und die Kommunikation weiter zu verbessern.
Sind die Botschaften des Reformprozesses Ihrer Meinung nach angekommen?
Dass wir lernen wollen, damit umzugehen, dass wir weniger werden, weniger haben und uns dennoch nicht aufgeben, auf jeden Fall. Allen ist bewusst, dass wir Akzente setzen, unser eigenes Profil schärfen und uns auf unsere Stärken konzentrieren müssen. Dazu müssen wir auch die Schwächen benennen.
Die Entwicklung von Leitbildern, Gemeinde- und Kirchenkreiskonzeptionen, zu denen die Landessynode Anregungen gegeben und Verbindlichkeiten beschlossen hat, kann dabei helfen. Um den Wandel zu bestehen und Veränderungen zu gestalten, sind Fort- und Weiterbildung ebenso wichtig wie begleitende Supervision und Beratung. Gerade die Gemeindeberatung ist hier gefordert, vor allem, wenn es um Kirchenkreis- und Gemeindekooperationen und -fusionen geht.
Wenn wir fröhlich kleiner werden aber dabei wachsen wollen, dann werden wir auch Erfolgsgeschichten brauchen.
Gibt es solche Erfolgsgeschichten bereits?
Aber natürlich. Ich nenne hier nur die Nacht der offenen Kirchen, die Initiative offene Kirchen, an der sich mittlerweile mehr als 50 Gemeinden beteiligen, oder die Wiedereintrittsstellen.