Evangelische Kirche von Westfalen: Reformprozess Kirche mit Zukunft
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 Reformprozess der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Evangelische Kirche von Westfalen

Wittenberg mit einbeziehen

Ein bisschen mehr als ein Jahr arbeitet nun der Reformbeirat an der Umsetzung der Beschlüsse im Zuge des Reformprozesses „Kirche mit Zukunft“. In einem Interview erzählt der stellvertretende Vorsitzende des Reformbeirates Uwe Wacker von der Arbeit in dem Gremium und dem Zukunftskongress der EKD. Der 43-jährige Vater zweier Töchter ist Mitglied der Kirchenleitung und Vizepräsident des Sozialgerichts in Detmold.

Herr Wacker, der Reformbeirat arbeitet seit gut einem Jahr. Wie lautet ihr Zwischenfazit zu der Arbeit?

Unsere Aufgabe ist ja die Umsetzung der Beschlüsse aus dem Reformprozess. Da sind wir auf einem guten Weg. Ich möchte hier insbesondere die Gemeinde- und Kirchenkreiskonzeption mit der dazugehörigen Handreichung nennen, die auf ein starkes Interesse gestoßen sind. Die Anfragen nach Begleitung durch die Gemeindeberatung sind in diesem Zusammenhang ebenfalls groß. Wir haben uns auch mit den regelmäßigen Mitarbeitendengesprächen befasst und den Erfahrungen, die damit in einigen Kirchenkreisen gemacht wurden. Und natürlich fließt in unsere jetzige Diskussion auch das EKD-Impulspapier „Kirche der Freiheit“ mit ein.

Apropos „Kirche der Freiheit“. Sie haben am Zukunftskongress in Wittenberg teilgenommen. Wie waren ihre Eindrücke?

Die Wittenberger Tage waren für mich persönlich ein großer Gewinn. Im Vorfeld wurde das Papier „Kirche der Freiheit“ ja stark angegriffen, u.a. wurden Stimmen laut, es sei nicht theologisch fundiert genug, es sei nicht vollständig und ein Angriff auf die Parochie. Dabei haben die Kritiker vergessen, dass es eben „nur“ ein Impulspapier ist. Und wer Anstöße geben will, muss bekanntlich auch Anstoß erregen können. Wittenberg war eben kein Entscheidungskongress, sondern die Impulse des Papiers sollten geerdet werden. Und das ist gut gelungen.

Bei welchen „Leuchtfeuer“ haben Sie mitgearbeitet?

Beim 11. Leuchtfeuer - Struktur der Landeskirchen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben wir am 2. Tag sehr konstruktiv gearbeitet und erstaunlich konkrete Ergebnisse und Arbeitsaufgaben formuliert.

Wie verhält es sich der Reformprozess auf EKD-Ebene in Relation zum westfälischen Reformprozess „Kirche mit Zukunft“?

Wir werden keinen neuen Reformprozess dazu bekommen. Vieles, was in Wittenberg diskutiert wurde, war uns aus Westfalen schon bekannt. Es wird darum gehen, Elemente des Wittenberger Kongresses in unseren Reformprozess einfließen zu lassen und diesen gegebenenfalls auch zu ergänzen. Motivische Schwerpunkte in Wittenberg waren: Geistliche Profilierung statt undeutlicher Aktivität - wo evangelisch drauf steht muss Evangelium erfahrbar sein, Schwerpunktsetzung statt Vollständigkeit - kirchliches Wirken muss nicht überall vorhanden sein, wohl aber überall sichtbar , Beweglichkeit in den Formen statt Klammern an Strukturen – nicht überall muss um des gemeinsamen Zieles willen alles auf dieselbe Weise erreicht werden und Außenorientierung statt Selbstgenügsamkeit. - auch der Ferne gehört zu Christus. Da kommt einem doch vieles bekannt vor.

Wie können die Impulse und Ergebnisse des Wittenberger Kongresses umgesetzt werden?

Das wird Gegenstand des Hammer Reformtages am 15. September dieses Jahres sein. Dort werden wir uns u.a. auch mit dieser Fragestellung befassen. 250 Menschen aus allen Bereichen der Kirche werden den Stand des westfälischen Reformprozesses bedenken und im Blick auf das Impulspapier der EKD und die Ergebnisse des Wittenberg-Kongresses überlegen, was uns in unserem Reformprozess unterstützt und wo wir uns weiterführenden Impulsen nicht verschließen sollten. Die Hauptthemen des Hammer Reformtages werden  „Unsere Kerngebiete, Unsere Mitarbeitenden, Unser Handeln in der Welt und Unsere Selbstorganisation“ sein.

Wie wird Ihrer Meinung nach die Kirche zukunftsfähig?

Wir müssen uns Gedanken machen, wie die Kirche in Zukunft aussehen soll z.B. auch was Gemeindeformen angeht, wie der kirchliche Auftrag - Stichwort Barmen 6 - am besten erfüllt werden kann, wie wir am nächsten an den Menschen sind mit ihren Problemen in der jeweiligen Zeit. Dabei sollte der Blick nicht zurückgewandt sein, vielmehr muss Priorität bekommen, was künftigen Herausforderungen besser gerecht wird. Das hat nichts mit anbiedern an den Zeitgeist zu tun, sondern ist im guten Sinne Luthers, dem „Volk aufs Maul“ schauen, was nicht bedeutet, dass man den Menschen nach dem Mund reden soll. Doch wir müssen die Fragen beantworten, die uns unsere Zeit stellt. Kirche ist mehr denn je gefragt, denn die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern sich schnell. Kirche ist ein Orientierungspunkt, eine wichtige Anlaufstelle, insbesondere, wenn der gesellschaftliche Kitt verloren zu gehen droht.

Zurück zu dem westfälischen Reformprozess Kirche mit Zukunft. Die Umsetzungsphase soll 2008 beendet sein. Halten sie das für realistisch?

Ich denke schon, dass das realistisch ist und dieses Reformwerk mit seinen vielen positiven Anregungen und Anstößen dann zum Abschluss gelangt. Das heißt nicht, dass wir uns zukünftig jeglicher Veränderung verschließen dürfen. Der Reformprozess wurde Mitte der 1990er Jahre aus der pekuniären (finanziellen) Situation heraus angestoßen. Doch er war längst überfällig. In unserer Kirche herrschte so etwas wie Reformstau. Nehmen wir nur einmal die jetzt von der Landessynode beschlossenen Kürzung der Amtszeit von Presbyterinnen und Presbytern auf vier Jahre, die längst hätte erfolgen müssen, um auch Berufstätige mit ihrer Fachkompetenz eher einbinden zu können.

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Seite geändert am 23.12.08, 15:34

 

 Zitat zum Reformprozess:
Wir nehmen gesellschaftliche Verantwortung wahr.
Weil jeder Mensch von Gott bejaht und geliebt ist, verteidigen wir die Würde des Menschen und die Menschen- und Bürgerrechte, wo sie angetastet oder mit Füßen getreten werden. Mit den Kirchen der Ökumene und gesellschaftlichen Gruppen setzen wir uns weltweit für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung ein.