Sie waren lange eins und könnten dies auch wieder werden. Die Kirchenkreise Gladbeck-Bottrop-Dorsten und Recklinghausen haben in ihren Kreissynoden jetzt jeweils nahezu einstimmig einen Prüfauftrag verabschiedet, der sich mit der Vereinigung beider Kirchenkreise im Jahr 2012 beschäftigt. Ein Jahr lang soll nun eine Steuerungsgruppe, die aus Mitgliedern beider Kirchenkreise besteht, genau hinschauen, ob die Vereinigung zu einem Kirchenkreis möglich ist. „Das Ganze ist ergebnisoffen“, betont Detlef Mucks-Büker, Superintendent des Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten.
Beide Kirchenkreise bilden gemeinsam den Gestaltungsraum 10. Nicht erst seit Einführung der Gestaltungsräume pflegt man ein nachbarschaftliches Verhältnis und arbeitet zusammen. So verfügten die Kirchenkreise bereits vorher über ein gemeinsames Schulreferat und eine Regionalkonferenz Krankenhausseelsorge und auch die Superintendenten treffen sich regelmäßig zum Gespräch. „Als der Reformprozess Kirche mit Zukunft anfing und die Gestaltungsräume über die Kirchenkreisgrenzen hinaus gebildet wurden, hat uns das nicht geschreckt, sondern angespornt“, erinnert sich Mucks-Bücker.
Intensive Zusammenarbeit
Die Zusammenarbeit intensivierte sich mit Bildung des Gestaltungsraumes, z.B. mit einer kirchenrechtlichen Vereinbarung über die Bildung einer gemeinsamen kreiskirchlichen Verwaltung und regelmäßigen gemeinsamen Sitzungen der Kreissynodalvorstände. Im vergangenen Jahr feierte man zusammen das 100-jährige Bestehen des Kirchenkreises, denn der Gestaltungsraum 10 war bis 1961 ein großer Kirchenkreis. „Damals wurde der Kirchenkreis geteilt, weil die Zahl der Gemeindeglieder so immens angewachsen war. Heute sind die Zahlen rückläufig – da sollte man über eine Zusammenlegung nachdenken“, sagt Peter Burkowski, Superintendent des Kirchenkreises Recklinghausen.
Nun also wollen die Kirchenkreise prüfen, ob sie sich nicht wieder zusammenschließen. Nach Einschätzung der beiden Superintendenten und natürlich auch der Kreissynodalvorstände ein logischer Schritt. Wohl auch aus diesem Grund war der Diskussionsbedarf rund um den Prüfauftrag auf beiden Synoden sehr gering.
„Eine Vereinigung im Bereich der Verwaltung ist vergleichsweise einfach. Die spannende Frage dieses Prüfauftrags ist, wie wir die Vereinigung auf der funktionalen Ebene zustande bringen“, denkt Peter Burkowski laut nach. Dort sieht der Recklinghäuser auch den Knackpunkt, der für eine baldige Fusion spricht: „Als einzelne Kirchenkreise mit gemeinsamer Verwaltung könnten wir im Bezug auf die Gemeinden noch eine ganze Zeit so weitermachen. Aber für die funktionalen Dienste wird die Finanzkraft nicht mehr lange ausreichen“, sagt er.
In den Ruhrgebiet-Städten sinkt die Zahl der Gemeindeglieder besonders schnell. „Das ist bereits in der Reformvorlage nachzulesen. Die dort gemachten Voraussagen zur Mitgliederentwicklung bis 2015 treffen voll zu“, so Burkowski. Der Rückgang verläuft seiner Einschätzung nach eher noch rascher. „Da müssen wir noch schneller reagieren. „Unser Beschluss ist ein Prüfauftrag in die Zukunft“, so Burkowski.
Für Detlef Mucks-Büker ist eine entscheidende Frage auf dem Weg zur Vereinigung: „Wie haben sich unsere Kulturen in den Gemeinden und die Arbeit in den Kirchenkreisen ausgeprägt und wie geht das zusammen.“ Diese und andere Fragen wird im kommenden Jahr die Steuerungsgruppe bearbeiten. In den Sommersynoden 2009 wird es Antworten geben.