Evangelische Kirche von Westfalen: Reformprozess Kirche mit Zukunft
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 Reformprozess der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Evangelische Kirche von Westfalen

"Signal zum Aufbruch"

Gespräch mit dem Alt-Präses Manfred Sorg, der in seiner Amtszeit den Reformprozess auf den Weg gebracht hat, zum Stand der Dinge im Reformprozess "Kirche mit Zukunft".

Herr Sorg, was bedeutet für Sie persönlich der Reformprozess "Kirche mit Zukunft?"

"Kirche mit Zukunft" ist für mich das Signal unserer Landeskirche zu einem Aufbruch, der die Kirche zukunftsfähig machen soll. Wir haben einen anvertrauten "Schatz in irdenen Gefäßen" (2. Kor 4,7), so beschreibt es Paulus. Diesen Schatz müssen wir weitertragen und dabei danach fragen, wie wir ihn erzählen, damit wir für die Menschen verständlich bleiben.

Wie ist ihre Einschätzung, wo steht der Reformprozess derzeit?

Ich bin sehr dankbar dafür, dass die Landessynode und die Kirchenleitung sich den Reformprozess zu eigen gemacht haben und ihn mittragen. Das ist für die Arbeit in den Gestaltungsräumen und in den Projektgruppen wichtig. In allen elf Gestaltungsräumen gibt es mittlerweile eine Zusammenarbeit - mit unterschiedlichem Tempo. Zum Teil wurden Verträge geschlossen und Satzungen zur Kooperation vereinbart. Nun wird es darauf ankommen, dass die vier Projektgruppen ihre Arbeit weiter nach vorn bringen können und wir die Ergebnisse in unserer Kirche diskutieren. Ich habe in vielen Gesprächen den Eindruck gewonnen, dass die Ergebnisse im Reformprozess in manchen Gemeinden noch nicht angekommen sind, obwohl gerade dort die Fragen gestellt werden, die uns zu diesem Prozess bewegt haben.

Mit dem Beschluss zum "Kirchenbild" ist ein Rahmen geschaffen worden. Wie lässt sich dieser umsetzen?

Die Landessynode 2003 hat einen Beschluss zum Thema "Kirchenbild" gefasst und damit die Arbeit der Projektgruppe bestätigt. Die Projektgruppe "Kirchenbild" hat die schwierige Aufgabe übernommen, nach dem Leben, Glauben und Handeln unserer Kirche sowie nach der Geschichte und dem Selbstverständnis zu fragen und diese Aufgabe glänzend gelöst. Die Umsetzung dieses Positionspapiers und des Beschlusses der Landessynode ist eine Frage nach der Miteinander und dem Umgang in unserer Kirche. Das kann man nicht verordnen oder nur in Dienstanweisungen festschreiben. Es betrifft vielmehr die Einstellung der Mitarbeitenden.

Welche Rolle spielen die Gestaltungsräume bei der Umsetzung?

In den Gestaltungsräumen rücken die Menschen enger zusammen. Mir ist wichtig, dass die Arbeit der Projektgruppen in den Gestaltungsräumen Beachtung findet. Die inhaltlichen Arbeiten am Kirchenbild, an dem Verhältnis von Haupt- und Ehrenamtlichen, am Pfarrbild und an der Frage nach Leitung und Strukturen müssen in die Gestaltungsräume und damit in die Kirchenkreise hineingestellt werden, um eine Vernetzung von Grundsatzfragen und Erfahrungen vor Ort zu gewährleisten.

Gefällt Ihnen persönlich das Papier zum Kirchenbild mit seinen beiden Teilen?

Ich weiß, wie viel Mühe es gekostet hat, bis wir uns auf diese Position zum Kirchenbild einigen konnten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, weil es sowohl die reiche Tradition unserer Kirche beschreibt als auch aktuelle Fragen zum Bild der Kirche in unserer Zeit aufnimmt. Ich danke allen, die daran mitgearbeitet haben, sehr.

Was halten Sie von den Vorlagen der PG IV?

Leitung und Strukturen sind in der EKvW seit jeher wichtig. Wir haben uns bisher nur noch nicht darüber geeinigt, was wir darunter genau verstehen. In der Vergangenheit gab es da nach meiner Auffassung doch sehr unterschiedliche Vorstellungen. Die IV. These der Barmer Theologischen Erklärung wurde der Präambel nicht umsonst vorangestellt. Darin heißt es: "Die verschiedenen Ämter in der Kirche begründen keine Herrschaft ...". Dieses "keine Herrschaft" ist mir für einen spezifisch kirchlichen Leitungsstil im Sinne es Evangeliums wichtig. Da müssen wir uns auch von anderen Leitungsmodellen unterscheiden. Das nimmt die Vorlag sehr gut auf.

Welche Visionen haben Sie zu einer "Kirche mit Zukunft"?

Meine Vision von Kirche ist eigentlich ganz einfach: "Kirche ist Kirche für andere."
Dieser Satz von Dietrich Bonhoeffer ist prägend auch für uns heute. Die Kirche gibt es nicht um ihrer selbst willen, sondern für die Menschen. Wenn "Kirche mit Zukunft" die Nähe zu dem Menschen in unserer Gesellschaft stärkt und das Evangelium mitteilt, kommen wir dieser Vision näher.

Sie sind bald im Ruhestand: In welcher Form wird Sie der Reformprozess begleiten?

Ich werde natürlich auch im Ruhestand die weiteren Entwicklungen von "Kirche mit Zukunft" verfolgen. Der Reformprozess gehört schließlich zu den ganz wichtigen Stationen meiner Zeit im Präsesamt. Manches werde ich dann vielleicht etwas gelassener sehen als bisher. Und wenn der Zug mal an einer Kreuzung auf ein Gleis fährt, an dem ich ihn anders gefahren hätte, dann werde ich mir sagen: Hauptsache, der Zug fährt weiter und die Menschen steigen nicht aus. Mein Herz und mein Interesse an "Kirche mit Zukunft" werden dabei sein.

Das Gespräch wurde im Februar 2004 geführt.

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Seite geändert am 23.12.08, 15:34

 

 Zitat zum Reformprozess:
Diese Kirche muss sich verändern, wenn sie zukunftsfähig sein will. Dazu gehört auch, dass sich die Rahmenbedin- gungen für Pfarrerinnen und Pfarrer so ändern, dass sie bessere Arbeit leisten und sich wieder auf die Grundaufgaben des Amtes konzentrieren können.“
Fritz-Uwe Schulte
Projektbüro, Geschäftsführer PG III