Evangelische Kirche von Westfalen: Reformprozess Kirche mit Zukunft
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 Reformprozess der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Evangelische Kirche von Westfalen

Pfarrberuf mit Zukunft

Gerald Hagmann (l.) und Gerd Kerl (r.).

Die Landessynode 2005 hat es beschlossen: Auch nach Abschluss der Projektphase des Reformprozesses „Kirche mit Zukunft“ soll sich eine zwölfköpfige Arbeitsgruppe mit dem Pfarrbild beschäftigen. Anfang Mai trifft sich die Arbeitsgruppe „Pfarrberuf mit Zukunft“ unter dem Vorsitz von Pfarrer Gerd Kerl, Leiter des Instituts für Aus-, Fort- und Weiterbildung, zu ihrer konstituierenden Sitzung. Schon im Vorfeld machten sich Gerd Kerl und der Geschäftsführer der Arbeitsgruppe Pfarrer im Entsendungsdienst Gerald Hagmann in einem Interview Gedanken zu Themen und Zielen der Arbeit.

Herr Kerl, das Thema Pfarrberuf mit Zukunft ist vielfältig. Doch bis zur Synode 2007 soll die Arbeitsgruppe bereits Ergebnisse vorlegen. Wie soll das gehen?

Gerd Kerl: Die Landessynode hat uns einen ganz klaren Auftrag erteilt. Aber wir wollen nicht das Rad neu erfinden, sondern da weitermachen, wo andere sich vorher Gedanken gemacht haben. So wird in der Gruppe sicher auch das Positionspapier, das die Projektgruppe III für den Landplatz 2004 erarbeitet hat, diskutiert werden. Ebenso Broschüren, die andere Landeskirchen zum Thema erarbeitet haben. Berlin-Brandenburg hat beispielsweise ihr Pfarrbild auf dreieinhalb Seiten formuliert. Das ist doch toll.

Haben Sie einen Zeitplan?

Gerd Kerl: Für mich steht der wichtigste Satz des Auftrags an die Arbeitsgruppe am Ende des Beschlusses der Landessynode 2005: Dass die Beschäftigung mit dem Pfarrbild auf allen Ebenen der EKvW kommuniziert werden soll. Darum hoffe ich, dass die Arbeitsgruppe bis Jahresende die Themen in einer Art Thesenpapier mit Lösungen erarbeitet hat.

Nach der Klausur der Kirchenleitung und der Superintendenten, wo das Papier selbstverständlich auch besprochen werden soll, wollen wir dann u.a. bei Gestaltungsraumkonventen und auf regionalen Presbytertagen diese breite Kommunikation herstellen. Die Ergebnisse der Diskussionen, sollen noch in das Papier aufgenommen werden, das bis zur Landessynode 2007 fertig sein soll.

Welche Gesichtspunkte werden bei der Arbeit eine Rolle spielen?

Gerd Kerl: Zunächst werden wir uns einen Überblick über die aktuellen Zahlen verschaffen. Wie viele Theologinnen und Theologen haben volle Stellen, welche arbeiten im Teildienst, wie viele Entsendungsdienstler haben wir? Allein anhand der Zahlen kann man schon eine Menge ablesen, was es heißt, heute Pfarrerin oder Pfarrer in der westfälischen Kirche zu sein.

Des Weiteren wird es drei große Themenkomplexe geben: erstens Amtsverständnis und Kirchenbild, zweitens Pfarrdienst im Wahl- und Entsendungsdienst sowie drittens Identifikation mit dem kirchlich-öffentlichen Amt.

Was steckt hinter diesen Überschriften? Beginnen wir mit Amtsverständnis und Kirchenbild.

Gerd Kerl: Dort geht es u.a. darum, was die Aufgabe der Pfarrerin und des Pfarrers ist. Nach welchem Leitbild arbeiten sie? Einen guten Anstoß zu dieser Diskussion haben uns unsere Freunde aus der Ökumene gegeben: Pfarrer sind da „to equip the saints“, also um die Menschen in der Kirche darin zu unterstützen, ihr allgemeines Priestertum zu leben. Ein zweiter Aspekt unter dieser Überschrift ist die Frage nach dem Gemeindebild, das hinter unserem Kirchenbild steckt.

Und worum geht es unter der Überschrift „Pfarrdienst im Wahl- und Entsendungsdienst“?

Gerd Kerl: Das ist eine besondere westfälische Baustelle. Wir haben nämlich so viele Pfarrerinnen und Pfarrer im Entsendungdienst wie keine andere Landeskirche – fast 40 Prozent. Dies wird auch erst einmal so bleiben, bis wir uns in ca. 20 Jahren auf 700 Pfarrstellen eingependelt haben. Für diese Zeit müssen wir den Entsendungsdienst aufwerten. Außerdem muss eine Durchlässigkeit zwischen den beiden Säulen Wahldienst und Entsendungsdienst geschaffen werden.

Und natürlich geht es auch um Themen wie Besoldung und Beamtenstatus. Untersuchungen haben übrigens ergeben, dass Pfarrerinnen und Pfarrer im Angestelltenverhältnis teurer sind als im alten System. Eine besondere Herausforderung ist der Teildienst, also z.B. halb in der Gemeinde, halb in einem anderen Beruf. Er stellt andere Anforderungen an Pfarrerinnen und Pfarrer und an die Gemeinden. Da brauchen wir intelligente Lösungen.

Gerald Hagmann: Der Teildienst ist die Zukunft. Ein großer Teil der jungen Theologinnen und Theologen haben bereits reduzierte Stellen inne. Und das 50-50-Modell wird sich wohl auch immer weiter durchsetzen.

Was verbirgt sich hinter „Identifikation mit dem kirchlich-öffentlichen Amt“?

Gerd Kerl: Gerade im Zusammenhang mit dem Teildienst geht es um die Frage nach dem Ordinationsverständnis. Wie lässt sich Ganzheitlichkeit in einer 50% Stelle verwirklichen? Die Spannung zwischen dem Pfarrdienst als Beruf und als Lebensform wird hier besonders deutlich. Ein anderes Beispiel ist die Präsenzpflicht der Pfarrerin oder des Pfarrers im Gemeindedienst. Wir haben die Dienstwohnungspflicht aufgehoben und den Gemeinden mehr Spielräume in der Pfarrhausfrage eröffnet.

Aber wie ist die Erreichbarkeit z.B. am Wochenende verlässlich geregelt? Hier gibt es unterschiedliche Modelle, aber sie müssen in der Öffentlichkeit der Gemeinde und der Region gut kommuniziert werden. Wie kann das Leitmotiv „to equip the saints“ so umgesetzt werden, dass das Priestertum aller Glaubenden und das besondere Amt der öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung gut aufeinander bezogen sind. Es geht um das biblisch-theologische Fundament und die Ethik im Pfarrberuf auf Grund der Ordinationsverpflichtung.

Gibt es weitere Aspekte der Arbeit an dem Thema?

Gerd Kerl: Natürlich spielt auch der ganze Komplex Personalplanung und die von der Landessynode beschlossene Personalagentur mit hinein. Aber das wichtigste ist und bleibt die Kommunikation des Themas Pfarrberuf mit Zukunft. Die Anstöße des Papiers müssen die Betroffenen zum Diskurs anregen. Wird das Thema nicht auf breiter Ebene besprochen mit dem Ziel, die Menschen, die in diesem Beruf arbeiten, zu ermutigen und ihnen neue Spielräume zu eröffnen, können wir uns die Mühe sparen.

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 Zitat zum Reformprozess:
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Weil Gott die Menschen zu sich einlädt, wollen wir eine gastfreundliche Kirche für alle sein. Wir freuen uns über Gäste, Besucherinnen und Besucher in unseren Kirchen, Gemeindehäusern und Bildungszentren. Ob als regelmäßige Teilnehmerin oder als gelegentlicher Gast – alle sind in unserer Kirche herzlich willkommen. Wer möchte, findet bei uns eine Herberge auf Zeit, aber auch eine Heimat fürs Leben.