Evangelische Kirche von Westfalen: Reformprozess Kirche mit Zukunft
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 Reformprozess der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Evangelische Kirche von Westfalen

„Der Blick zurück hilft“

Kirche ist geprägt durch zeitgeschichtliche Entwicklungen und muss auf Veränderungen reagieren. Das ist nicht erst seit den letzten Jahren so, sondern war schon immer so. Einen eindrucksvollen Überblick über die Entwicklungen innerhalb eines Kirchenkreises bietet die Ausstellung „Zwischen Himmel und Erde – Evangelische Kirche und Moderne in Bielefeld“.

Die kommunale Ausstellung im Historischen Museum macht deutlich, dass auch in Bielefeld die evangelische Kirche in den vergangenen 200 Jahren auf tief greifende gesellschaftliche Umbrüche reagieren musste: Bevölkerungsexplosion, Industrialisierung, Entstehung der Arbeiterschaft und der Arbeiterbewegung.
Einzigartig ist, dass die Ausstellung keine kircheninterne Schau sondern eine kommunale Veranstaltung ist. „Der Blick von außen ist sehr inspirierend“, freut sich Superintendentin Regine Burg über die Arbeit des Historischen Museums.

Die Realität von Gemeinden

So können die Besucher viel Erstaunliches über die Realität in den Gemeinden im Laufe der Zeit lernen. Auch Menschen, die mit Kirche und Gemeinde nicht so vertraut sind, erfahren viel Wissenswertes über Taufe, Konfirmation, Trauung und Beerdigung, Kirchenbau und geistliche Erneuerungsbewegungen, Alltag eines Pfarrers und Arbeit des Presbyteriums. Rund drei Jahre dauerten die Vorarbeiten für die Ausstellung. Parallel erschien ein Buch, vom Institut für Diakonie- und Sozialgeschichte an der Kirchlichen Hochschule Bethel erarbeitet.

Regionale Kirchengeschichte im gesellschaftlichen Kontext

Gerade in Zeiten des notwenigen Rückbaus sei eine solche Schau wichtig, sind sich die Ausstellungsmacher einig. „Der Blick zurück hilft bei Veränderungen“, ist Regine Burg überzeugt. „In dieser Ausstellung wird deutlich, dass Kirche zu jeder Zeit lebendig war und ist. Auch die heutige Entwicklung wurde in der Ausstellung nicht ausgespart, doch z.B. die Selbstdarstellungen  der Bielefelder Gemeinden beweisen, wie bunt und fröhlich Kirche ist“. Die Schau bildet 200 Jahre ab. Hält Bekanntes und Verblüffendes bereit. Und sie öffnet den Blick auf die regionale Kirchengeschichte in einem breiten gesellschaftlichen Kontext.

„In diesen Zeiten eines schwierigen Umbruchs ist es gut, kurz innezuhalten und sich zu vergegenwärtigen, wie das Bestehende gewachsen und geworden ist, um erkennen zu können, wie es weiter wachsen und werden kann und soll“, sagte Dr. Hans-Werner Schmuhl vom Institut für Diakonie- und Sozialgeschichte bei der Eröffnung der Ausstellung. Schon im 19. Jahrhundert stellte die demografische Entwicklung den Kirchenkreis vor gewaltige Herausforderungen. Deutschland erlebte eine Bevölkerungsexplosion mit Wachstumsraten, die wir heute nur noch aus dem südlichen Afrika kennen. Auch in Bielefeld kam es wegen des Bevölkerungsanstiegs zu neuen Stadtvierteln, neuen Pfarrstellen, die einen Kirchbau und die Abpfarrung oder Gemeindeneugründung zur Folge hatten.

"Rückkehr zum Normalpfad der Gemeindeentwicklung"

Doch bereits in der 1970er Jahren setzte schleichend und kaum bemerkt in der Bielefelder Innenstadt ein parochialer Rückbau ein. Die Pfarrstellen gingen zurück und zwei Kirchen wurden aufgegeben.  Dr. Hans-Werner Schmuhl: „Die Betrachtung in historischer Perspektive legt einerseits eine gewisse Gelassenheit nahe – der forcierte Gemeindeausbau erscheint demnach als Phänomen eines Abschnitts bundesdeutscher Geschichte mit einer geradezu einzigartigen Signatur. Der Rückbau kann aus diesem Blickwinkel als Rückkehr zum Normalpfad der Gemeindeentwicklung gedeutet werden. Auch sehen wir im historischen Längsschnitt, dass das Gemeindeleben, das wir heute als selbstverständlich nehmen – mit einem Gemeindehaus, einem Chor, Jugendgruppen, Gesprächskreisen, der Frauenhilfe, einem Kindergarten usw. – ein vergleichsweise junges Phänomen ist – es entstand erst am Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge des geschilderten ersten Parochialausbaus. Vorher hat Kirche auch ohne diese Infrastruktur eine fest gegründete Existenz geführt. Aber Vorsicht vor voreiligen Schlüssen. Die aktuelle Situation ist insofern völlig neuartig, als der Transformationsprozess erstmals in der Geschichte unter den Bedingungen eines rapiden Gemeindegliederrückgangs und eines schnell sinkenden Kirchensteueraufkommens stattfindet. Insofern müssen wir als Historiker uns mit einer Prognose und auch mit unserem Urteil zurückhalten.“

Die Ausstellung „Zwischen Himmel und Erde“ ist bis zum 28. Januar 2007 im Historischen Museum Bielefeld, Ravensberger Park 2, zu sehen.
www.historisches-museum-bielefeld.de

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Seite geändert am 23.12.08, 15:34

 

 Zitat zum Reformprozess:
Wir nehmen gesellschaftliche Verantwortung wahr.
Weil jeder Mensch von Gott bejaht und geliebt ist, verteidigen wir die Würde des Menschen und die Menschen- und Bürgerrechte, wo sie angetastet oder mit Füßen getreten werden. Mit den Kirchen der Ökumene und gesellschaftlichen Gruppen setzen wir uns weltweit für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung ein.