Die Kirchenfernen haben ein Gesicht bekommen und eine Stimme – das landeskirchliche Projekt „Kirche fragt nach“ hat auch die erreicht, die von sich selbst sagen, dass sie mit der Kirchengemeinde „gar nicht verbunden“ oder „wenig verbunden“ sind. Rund 50 Prozent der nahezu 2800 Befragten stufen sich selbst so ein. „Wir haben uns gewünscht, dass wir diese Zielgruppe mit den Fragebögen erreichen können. Umso mehr freuen wir uns, dass dieser Wunsch Realität geworden ist“, sagt Pfarrer zur Anstellung Stephan Zeipelt, Begleiter des Projektes, das beim Amt für missionarische Dienste (AMD) angesiedelt ist.
Derzeit sichtet Zeipelt die Ergebnisse der 45 teilnehmenden Gemeinden, fasst sie zusammen und wertet die Ergebnisse aus. 45 Gemeinden in der westfälischen Landeskirche nahmen an dem Projekt teil, knapp 30 Gemeinden haben ihre Ergebnisse zurück ans Amt für missionarische Dienste geschickt.
Guter Einblick in die Bedürfnisse der Menschen
Wir haben knapp doppelt so viele Menschen befragt wie die EKD bei ihrer Erhebung über die Kirchenmitgliedschaft 2002“, erzählt Zeipelt. Natürlich ist die Erhebung nicht flächendeckend für die gesamte Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) repräsentativ, „aber punktuell“, sagt Zeipelt. „Und sie gibt uns einen guten Einblick in die Bedürfnisse der Menschen, die in unseren Gemeinden wohnen.“ Schließlich ist „Kirche fragt nach“ auch kein statistisches Projekt, sondern dient vor allem den Gemeinden vor Ort, ihre Arbeit zu verbessern.
So ergab beispielsweise die Befragung in einer Gemeinde, dass alles das, was sich die Befragten wünschten, schon vorhanden war, aber offensichtlich niemand davon Notiz nahm. „Diese Gemeinde will nun ihre Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verbessern“, erzählt Stephan Zeipelt.
Die Menschen suchen nach Stille. „Das ist ein Gegenwartsphänomen, und die Kirche kann diesen Wunsch erfüllen“, sagt Zeipelt. Für 85 Prozent der Befragten war Stille sehr wichtig oder wichtig. Auch Gebet, Bekennen und das Leben nach Gottes Geboten erachtet die Mehrzahl der Befragten als wichtig bzw. sehr wichtig.
Modernere Gottesdienstformen gewünscht
Den Gottesdienstbesuch finden rund 11 Prozent sehr wichtig, rund 32 Prozent wichtig, aber auch knapp 39 Prozent nicht so wichtig und rund 18 Prozent unwichtig. „Trotzdem ist der Gottesdienst einer der zentralen Angebote, den die Befragten auch erwarten. Allerdings wünschen sich viele zeitgemäßere Gottesdienstformen“, fasst Zeipelt zusammen. Die Begleitung an Wendepunkten des Lebens wie Taufe, Hochzeit, Beerdigung aber auch Einschulung oder Scheidung, wird von den Menschen gewünscht.
Einen weiteren Schwerpunkt der wichtigen gemeindlichen Arbeit vor Ort bilden Tätigkeiten im Bereich der Nächstenliebe und die diakonische Arbeit vor Ort. „Dafür lassen sich die Menschen auch ansprechen“, weiß Zeipelt. Überhaupt lassen sich die Menschen für die gemeindliche Arbeit gewinnen. Jedoch – so gaben es die meisten an – nur für eine begrenzte Zeit. „Das entspricht unserer Lebensrealität“, so Zeipelt. Flexibilität am Arbeitsplatz und in der Lebensplanung macht auch vor dem Ehrenamt nicht Halt.
Gutes Zeugnis für das Projekt
„Alles in allem haben die Befragten den Gemeinden ein gutes Zeugnis ausgestellt“, resümiert der Pfarrer z. A. Deswegen ziehen die Verantwortlichen auch eine positive Bilanz: „Wir hätten nicht gedacht, dass so viele Menschen bei dieser Aktion mitmachen. Teilweise waren 40 bis 50 Leute im Boot. Das Projekt war auf jeden Fall gemeinschaftsfördernd.“ Und auch die Rückmeldungen, die die Gemeinden gaben waren positiv. Selbst dort, wo kaum Fragebögen zurückkamen, lautet die Botschaft: Diese Aktion war keinesfalls ein Flop. Denn sie hat das Gemeinschaftsgefühl gestärkt, man ist mit Menschen ins Gespräch gekommen, die der Kirche eher distanziert entgegenstehen und man hat neue Impulse für die Arbeit bekommen. Stephan Zeipelt: „Ich find´s gut, dass wir das gemacht haben.“
Der Abschlussbericht zum Download:
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Gemeindliche Projekte im Rahmen von "Kirche fragt nach":
In der Gemeinde Crange-Wanne fanden vier Abende der Vereinigung statt.
Die Evangelische Kirchengemeinde in Werdohl nahm den Wunsch ihrer Mitglieder nach besonderen Gottesdiensten ernst.
Die Evangelische Gemeinde Holzwickede will ein „Netzwerk der diakonischen Nähe“ knüpfen.