Evangelische Kirche von Westfalen: Reformprozess Kirche mit Zukunft
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 Reformprozess der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Evangelische Kirche von Westfalen

Blick über den Tellerrand

Peter Burkowski (l.), Vorsitzender des Prozess-Lenkungsausschusses, und Landeskirchenrat Friedhelm Wixforth (2.v.r.) begrüßten die Referenten Monika Piel (2.v.l.) und Johannes Winkel (r.).

Wie machen es die anderen? Dieser Frage gingen Interessierte am Reformprozess "Kirche mit Zukunft" am 27. September 2003 bei einem Konsultationstag in Bielefeld nach. Gäste: Monika Piel, Hörfunkdirektorin des WDR, und Ministerialdirigent im Innenministerium Johannes Winkel. Beide berichteten über die umfangreichen Reformen in ihren Häusern.

Natürlich ist bei der Kirche vieles anders als beim Rundfunk oder in einem Ministerium - aber die Teilnehmer des Konsultationstages konnten doch auch Parallelen beim manchmal schwierigen Geschäft eines Umbaus feststellen. "Es hat sich gelohnt", war die einhellige Meinung der Anwesenden nach einem anregenden Tag.

"Nach einiger Zeit intensiver Arbeit in unserem Reformprozess geht es an diesem Tag nicht in erster Linie um weitere Handlungsimpulse, sondern eher um eine selbstkritische Haltung. Heute wollen wir mit einer gesunden Portion Selbstkritik auf unsere eigene bisherige Arbeit schauen. Und auch damit stehen wir in einer guten biblischen und kirchengeschichtlichen Tradition", betonte Präses Manfred Sorg in seiner Begrüßungsrede, in der er die Wichtigkeit des Reformprozesses noch einmal bekräftigte.

"Wir lassen nichts mehr auflaufen"

Erste Rednerin des Tages war Monika Piel, WDR-Hörfunkdirektorin. Eindrucksvoll schilderte sie die Neuorganisation der Rundfunkanstalt. Grund für die Reform: Der WDR sah sich 1995 mit einem Hörerverlust konfrontiert, den es zu stoppen galt. Das Mittel: Hörer orientierte Angebote von EinsLive für das junge Publikum bis WDR 5 als reinem Wortprogramm ohne Musik und Werbung.

Für jedes Programmangebot wurden Zielvereinbarungen festgelegt und aufgeschrieben. Sie müssen von allen Mitarbeitenden beachtet werden. Monika Piel beschrieb Instrumente der Qualitätssicherung wie z.B. Nachbereitungsgespräche nach jeder Sendung oder regelmäßige Mitarbeitergespräche, in denen auch individuelle Zielvereinbarungen festgelegt werden. Führungspositionen werden befristet vergeben - der WDR setzt auf Rotation. Die Umstrukturierung sei, so die Journalistin, ein riesiger Kommunikationsprozess gewesen, der auch jetzt nach der Reform weitergehe. Piel: "Wir lassen nichts mehr auflaufen." Die Mitarbeitenden seien bei der Reform gehört und in ihren Anliegen ernst genommen worden, die Entscheidungen seien dann aber "von oben" gefällt worden. "Wir haben deutlich gemacht, dass es beim WDR keine Basisdemokratie gibt" - diese Äußerung Monika Piels sorgte für leichtes Unbehagen unter den Zuhörern und der Erkenntnis: "Hier sind wir anders."

Eine Behörde, die sich selbst verändert

Zweiter Redner des Tages war Ministerialdirigent im Innenministerium Johannes Winkel. Er beschrieb das Innenministerium als "Behörde, die sich selbst veränderte". Zunächst wurden die Beförderungsrichtlinien geändert. Eine Führungsposition erreicht man nun nicht wie vorher "durch bloßes Absitzen der Dienstjahre", sondern durch Qualifikation, z.B. durch Fortbildung. Führungskräfte werden auf Probe, bzw. Zeit eingestellt. Seit drei Jahren gibt es im Innenministerium außerdem verhaltens- und sachbezogene Zielvereinbarungen mit den Mitarbeitenden. Regelmäßige Gespräche und Fortbildungsangebote sind weitere Teile der Reform. Verantwortung wurde delegiert: z.B. bekamen die einzelnen Abteilungen ein eigenes Budget, das sie verwalten können. Auf Organisationsebene wurden klare hierarchische Strukturen geschaffen und Referate zusammengelegt. Außerdem will sich das Innenministerium in Sachen Qualität einem vergleichenden Wettbewerb unterziehen. Daran wird derzeit gearbeitet.

Nach beiden Vorträgen gab es eine rege Diskussion und viele Nachfragen zu Details. Vor allem die Themen Mitarbeitendengespräche, Zeitplan für eine Reform und Fragen rund um den Komplex "Führung" waren von hohem Interesse.

Der Konsultationstag endete mit einem Abschluss-Wort von Peter Burkowski, Vorsitzender des Prozess-Lenkungsausschusses.

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Seite geändert am 23.12.08, 15:34

 

 Zitat zum Reformprozess:
Kirche muss, wie jedes gut geführte Unternehmen, über klare Strukturen, eine verantwortliche und professionelle Leitung auf allen Ebenen sowie qualifizierte und erprobte Steuerungsinstru- mente verfügen. Hier versuche ich meine Erfahrungen und Kenntnisse aus der Industrie / freien Wirtschaft einzubringen.“
Alfred Drost
Prozesslenkungs- ausschuss, PG IV