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http://www.reformprozess.de/617.0.html

„Kirche mit Zukunft – es geht weiter“ – unter diesem Motto findet am 15. September in der Hammer Christuskirche ein Reformtag statt, zu dem sich 250 Delegierte aus der gesamten westfälischen Landeskirche versammeln werden. In einem Interview gibt Präses Alfred Buß Einblick in die Themen und setzt den Hammer Reformtag in Relation zum Zukunftskongress der EKD in Wittenberg.
Ein Tag, an dem Mitarbeitende aus Kirchenkreisen und Gestaltungsräumen spüren werden: Wir haben viele Stärken, wenn wir sie nur aufeinander beziehen. Bei uns ist viel los. Auch im Rückbau fällt uns viel Neues ein und - es ist ein Reichtum, aufeinander angewiesen zu sein. Aus dieser Haltung bitten wir um den Heiligen Geist.
Eingeladen sind Delegierte, die im Reformprozess schon lange die Spur aufgenommen haben und erschnuppern konnten, worum es geht. Wir werden ungefähr 250 Leute sein, die in Hamm zusammenkommen. Aus 31 westfälischen Kirchenkreisen beziehungsweise elf Gestaltungsräumen, dazu die Kirchenleitung, das Kollegium des Landeskirchenamts, Fachleute aus den Ämtern und Werken und selbstverständlich alle Superintendentinnen und Superintendenten. Die werden an diesem Tag schauen, wie der Impuls „Kirche mit Zukunft“ aus dem Jahr 2000 und der Impuls „Kirche der Freiheit“ aus dem Jahr 2006 so aufeinander bezogen werden können, dass sie nach vorne weisen. Wie können die zwei Impuls-Stränge so nebeneinander gelegt werden, dass daraus Gleise werden, auf denen wir in die Zukunft fahren können. Beide Stränge haben viel miteinander zu tun, sie sind aber doch unterschiedlich.
Dabei entdecken wir auch unser Reformpapier „Kirche mit Zukunft“ neu. Wir sehen, wo wir auf dem Hintergrund der Diskussion in Wittenberg zu dem EKD-Impulspapier „Kirche der Freiheit“ nachschärfen müssen und wo unsere Szenarien ein schärferes Profil haben. Ich will ein Beispiel nennen: „Kirche der Freiheit“ sagt, wir müssen den Gemeindebegriff weiterentwickeln. Aber das Papier spricht von „Profilgemeinden“, so, als sei Gemeinde neu zu erfinden. „Kirche mit Zukunft“ sagt: In jeder Gemeinde gibt es Grundangebote und Schlüsselangebote. Grundangebote, das sind: Gottesdienste, Konfirmandenunterricht, Amtshandlungen und vieles mehr, was selbstverständlich überall vorgehalten werden muss, wo Gemeinde anzutreffen ist. Schlüsselangebote suchen nach dem Schlüssel zu der besonderen Situation vor Ort. Hier gilt es, Kirche vor Ort und gemeinsame Dienste aufeinander zu beziehen.
Ein anderes Thema ist die Frage nach der Qualität von Gottesdiensten und Kasualien. Oft wird diese Frage abgewehrt. Qualitätsstandards werden als Infragestellung der bestehenden Praxis gehört. Man kann die Frage aber auch umgekehrt verstehen: Was könnt ihr besonders gut? Wie können wir das fruchtbar machen für die anderen, und was können die anderen besser als ihr? Es ist eben ein Reichtum, aufeinander angewiesen zu sein. Kollegiale Beratung muss in unserer Kirche selbstverständlich werden. „Best practice-Modelle“ entdecken und verbreiten - das ist ein Impuls aus Wittenberg, der unseren westfälischen Reformprozess stärkt und schärft.
Und so werden wir nachgucken, wie wir die zwei Stränge so nebeneinander legen, dass sie uns wirklich in die Zukunft fahren lassen. Damit wir nicht auf der Strecke stehen bleiben und von gestern sind.
In der EKD ganz weit vorne. Das merke ich z.B. in der Kirchenkonferenz der EKD, wenn nach Wittenberg gefragt wird. Viele Prozesse, die andere noch angehen müssen, sind bei uns längst im Schwange. In Westfalen hat sich inzwischen sehr viel durchgesetzt in den Köpfen und Herzen. Bei Reformprozessen ist es immer so, dass man nicht wirklich merkt, was sich verändert. Ein Veränderungsprozess vollzieht sich ja ständig. Das nimmt man aber meist erst wahr, wenn man ein älteres Bild von sich selber sieht.
Wenn wir genau hingucken, ist vieles schon selbstverständlich geworden: Was hat allein Finanzausgleichsgesetz bewirkt! Und was das Kirchenbild der EKvW, die Wiedereintrittstellen, die Mitarbeitendengespräche, die Zusammenarbeit in den Gestaltungsräumen, das Haushaltssicherungskonzept, der Grüne Hahn, die Konzeptionsentwicklung für Gemeinden und Kirchenkreise, aber auch Events wie die Nacht der offenen Kirchen, Tag der Lehrerinnen und Lehrer oder der Presbyterinnen und Presbyter. Es ist selbstverständlich geworden, dass wir mehr und mehr zusammenrücken, miteinander arbeiten, und nicht jede und jeder weiter allein auf eingefahrenen Gleisen unterwegs ist.
Es gibt auch Widerstand. Immer wieder. Aber das gehört zu Reformprozessen. Es kommt nur darauf an, dass die Widerständler nicht das Tempo bestimmen und dass man nicht zu viel Kraft bei ihnen lässt. Pflegen müssen wir die Lokomotiven, die nach vorne ziehen.
Denn wir haben die Aufgabe, Rahmenbedingungen dafür zu entwickeln, dass es auch morgen eine gestaltbare und finanzierbare Kirche gibt für unsere Kinder und Kindeskinder. Dafür brauchen wir Leute, die nach vorne gehen. Und die sollen sich in Hamm versammeln mit der Bitte um Gottes kreativen Geist.
Nichts geht zusammen, wenn wir weiter Textexegesen von „Kirche der Freiheit“ fertigen, nach Schwächen suchen und darüber lamentieren. Ein Impulspapier ist ein Impulspapier, nicht mehr und nicht weniger. Die Frage lautet jetzt: Hat es etwas in Bewegung gesetzt? Ein guter Impuls setzt sich ja fort. Und hier frischt Wittenberg unseren westfälischen Reformprozess auf. Unser Impuls „Kirche mit Zukunft“ ist jetzt schon sieben Jahre alt. Was alt ist, gilt schnell als verbraucht. „Kirche der Freiheit“ setzt eigene Akzente und gibt unserem Reformprozess neue Frische. Im Spiegel von Wittenberg entdecken wir manchen Schatz aus unserem Reformprozess wieder und halten ihn plötzlich nicht mehr für einen alten Hut.
Er soll die Stärken stärken und nicht die Defizite beklagen. Der Defizitansatz lauert in unserer Evangelischen Kirche gerne als gefährliche Falle. Aber Freude schafft Motivation und nicht Tristesse. Werbend können wir einladen: Schau mal, welche Chancen es gibt.
Und der Reformtag soll entlastend wirken. Unsere Kirche konstituiert sich auf drei Ebenen: Gemeinde, Kirchenkreis, Landeskirche. Die Frage ist, welche Aufgabe auf welche Ebene gehört. Wir brauchen Aufgabenklarheit und Ebenenklarheit. Das ist entlastend für alle.
Es gibt keine Synode außerhalb der Synode. Das Stichwort heißt Impuls. „Kirche mit Zukunft“ war ein Impuls. Wie, wenn man einen Stein ins Wasser wirft. Und jetzt ist der Impuls von Wittenberg dazu gekommen. Das Procedere für Hamm kupfern wir ja von Wittenberg ab. Jede Landeskirche stellte in Wittenberg ein bestimmtes Kontingent von Teilnehmenden. Diese sollten die Impulse von Wittenberg aufnehmen und dann wieder mitnehmen in die eigene Landeskirche. Analog geht es hier bei uns um Gestaltungsräume und Kirchenkreise. Also: der Impuls aus Hamm geht in die Verfassungsorgane zurück.
Auch Themen der Landesynode werden auf dem Reformtag vorbereitet. Eine Arbeitsgruppe wird beispielsweise zum „Pfarrbild“ eingerichtet.
Es bleibt dabei: Unsere Kirche wird ausschließlich von Presbyterien und Synoden geleitet, den von der „Basis“ gewählten Gremien. Wir brauchen im Moment auch nicht allerorten das lang gehegte Ausschusswesen, sondern innovative Veranstaltungsformen für neue Impulse, die gezielt in Richtung Presbyterien und Synoden gegeben werden.
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© 2003-2008 Evangelische Kirche von Westfalen.
Alle Texte, falls nicht anders angegeben: Gesine Lübbers
Seite geändert am 23.12.08, 15:34