Evangelische Kirche von Westfalen: Reformprozess Kirche mit Zukunft
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 Reformprozess der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Evangelische Kirche von Westfalen

Auf der Suche nach neuen Wegen: „Church with a Future“

Internationale Konsultation vom 19. bis 22. September 2002

Ist die Kirche auf dem Weg in die Zukunft? Damit die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) bei ihrem Reformprozess nicht im eigenen Saft schmort, hatte sie sich Beratung von außen eingeladen: 33 Abgesandte aus Partnerkirchen in rund 20 Ländern haben sich zehn Tage lang Gemeinden und Einrichtungen in Westfalen angesehen. Dann hieß es: Was ist daran Kirche der Zukunft? Internationale Konsultation in Haus Villigst vom 19. bis 22. September 2002.

In fünf Arbeitsgruppen sahen sich die Besucherinnen und Besucher aus den vier Kontinenten die westfälische Kirche an. Ihre Beobachtungen - Lob und Kritik - sind jetzt Teil einer ausführlichen Dokumentation, die Sie hier herunterladen können (PDF, 3,9 MB)

Deutlich wird dabei, dass aus Sicht der Besucherinnen und Besucher die Landeskirche noch immer große Chancen und großen Reichtum besitzt: Sowohl die Bereitschaft zum Engagement von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als auch die strukturellen und finanziellen Voraussetzungen seien - trotz sinkender Tendenz - auf einem hohen Niveau. Auch sei man in Regionen, Gemeinden und Einrichtungen immer wieder auf beispielhafte Reformprojekte getroffen.

Insgesamt beklagen die Besucherinnen und Besucher jedoch einen Mangel an geistlichem Hintergrund. "Die Früchte des Glaubens, also soziales und diakonisches Engagement, sind auf einem ausgesprochen hohen Niveau", hieß es bei der Abschluss-Tagung in Haus Villigst. "Aber sie haben den Glauben selbst in den Hintergrund gerückt." Der missionarische Grundgedanke der Kirche sei bis hin zur Tabuisierung verdrängt worden; Mitarbeitende in Diakonie, Kindergärten, Krankenhäuser, aber auch in Gemeindegruppen hätten oft keinen geistlichen Hintergrund mehr; die Kirche tue zwar sehr viel Gutes, aber es werde nicht klar, warum sie es tue und dass der Glaube an Jesus Christus dahinter stehe.

Ein zweiter Haupt-Kritikpunkt: "Schwer wiegende Widersprüche gegen den reformatorischen Grundgedanken des ,allgemeinen Priestertums aller Gläubigen'." Weder die "ausgeprägte kirchliche Hierarchie" noch die "Pfarrerzentriertheit" lassen sich nach Einschätzung der ökumenischen Kirchenfachleute damit verbinden. Auch die Unterzahl von Frauen in Leitungsämtern und "erhebliche Spannungen zwischen Haupt- und Nebenamtlichen" stellen in ihren Augen Probleme dar. Und überhaupt: "Was ist das eigentlich: ein ,Ehrenamt'", wurde manches Mal verwundert gefragt. Müsste man nicht gerade die Gruppe der so genannen Ehrenamtlichen als die eigentliche Kirche ansehen, die Hauptamtlichen dagegen als deren Angestellte?

Großes Lob gab es von den Besucherinnen und Besuchern für den grundlegenden Ansatz eines Reformprozesses in der EKvW: "Das ist vorbildlich für Kirchen in der ganzen Welt", sagte Lakshani Fernando, Generalsekretärin der Ceylon Bible Society. Besonders der Mut, mit dem sich die Kirchenleitung von Westfalen der Begutachtung - und damit auch Kritik - von außen stellt, imponierte den Gästen: "Ihr lasst uns in Euer Wohnzimmer schauen, bevor Ihr es aufgeräumt hat", so Mindawati Perangin-Angin Tampubolon, Leiterin des Ökumenreferates der Christlich-Protestantischen-Karo-Batakkirche (GBKP) aus Indonesien.

Aber auch hier gab es Anfragen, zum Teil grundlegender Art: Warum soll der Reformprozess mitgliederorientiert ausgerichtet sein - gilt das Evangelium nicht allen Menschen, gerade auch denen, die nicht Mitglied der Kirche sind? Und was genau ist eigentlich das Ziel des Reformprozesses in der westfälischen Kirche? Woran liegt es, dass - trotz großer Zustimmung zum Reformprozess auf der Landessynode 2001 - noch immer viele Mitglieder an der kirchlichen Basis so rein gar nichts über die anstehende Erneuerung wissen oder wissen wollen?

Viele dieser Fragen wären in dieser Deutlichkeit wohl kaum gestellt worden, wenn man nicht Gäste aus der Ökumene mit ihren ganz anderen Hintergründen und Erfahrungen zur Kritik eingeladen hätte. "Alle unsere Erwartungen sind übertroffen worden", so der Ökumene-Dezernent Oberkirchenrat Dr. Ulrich Möller. Und auch, wenn nicht alle Probleme gleich gelöst werden können: "Sie bleiben fruchtbar", wie es Präses Manfred Sorg formulierte.

Bis 2005 soll der Reformprozess konkrete Ergebnisse zeigen. Bleibt also die Aufgabe, an den aufgeworfenen Fragen weiter zu arbeiten.

Gerd-Matthias Hoeffchen

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Seite geändert am 23.12.08, 15:34

 

 Zitat zum Reformprozess:
Wenn Kirche ihrem Auftrag treu bleiben will, muss sie sich ständig ändern. Leider halten viele Menschen Kirche immer noch für altertümlich, verstaubt und in verkrusteten Strukturen verharrend. Ich möchte mithelfen, dieses Bild zu korrigieren.“
Anke Schröder
PG IV