http://www.reformprozess.de/402.0.html
 

Genaue Zahlen

„Da steckt mehr Brisanz drin, als wir auf den ersten Blick sehen“, ist sich Pfarrer Martin Papies sicher, wenn er an die Portfolioanalyse seiner Lydia-Gemeinde denkt. Im Zuge des Reformprozesses „Kirche mit Zukunft“ hatte die frisch fusionierte Gemeinde in Bielefeld Gelegenheit, ihre anfallenden Kosten von einer Unternehmensberatung genauer unter die Lupe nehmen zu lassen.

„In der Untersuchung wurden bis zur Überraschung erhellende Dinge offenbart“, sagt Papies. Zum Beispiel: Dass ein Gottesdienstplatz in der kleinen Erlöserkirche 160 Euro, in der großen Johanniskirche sogar 240 Euro kostet. „Wenn man Personal- und Unterhaltungskosten wie Heizung und Strom auf die Zahl der Gottesdienstbesucherinnen und –besucher umrechnet, kommt man zu so einem Ergebnis“, erläutert der Pfarrer. Welche Konsequenzen aus solchen Rechenbeispielen gezogen werden, bleibe der Gemeinde natürlich selbst überlassen. Doch interessant sei es schon, sich solche Sachen einfach mal klar zu machen.

Jugendarbeit besitzt höchste Akzeptanz

Überraschungen gab´s auch bei der Jugendarbeit: „Diese Arbeit wird in einer traditionellen Erwachsenengemeinde oft kaum wahrgenommen“, weiß Martin Papies. Und doch: „Die Jugendarbeit in unserer Gemeinde hat die höchste Akzeptanz und ist sehr kostengünstig.“

Wie schätzt Papies die Portfolio-Methode ein? „Der kalte Blick ohne Wertung tat gut. In einer solchen Analyse steckt ein große Chance“, sagt er. An den Ergebnissen könne sich beispielsweise eine fruchtbare Diskussion unter dem Motto „Was will Ortsgemeinde künftig?“ entzünden. Vor allem, wenn man den demografischen Faktor beachtet, der auch in der Lydia-Gemeinde die Mitgliederzahlen deutlich nach unten zieht.

Doch es gibt auch Vorbehalte: „In Anbetracht, dass wir in unserer Gemeinde bis 2007 ganze 30 000 Euro einsparen sollen, müssen wir derzeit andere Diskussionen führen“, bedauert Martin Papies. „Die Einsparungsmöglichkeiten, die diese Portfolioanalyse aufzeigt, sind so minimal, dass wir die Haushaltskonsolidierung wohl kaum ohne Entlassungen vollziehen können“, so der Pfarrer: „Das ist die Dramatik der Situation.“

Gute Sache

Grundsätzlich sei die Methode aber ein gute Sache und es sei gar nicht schlecht, solche Daten zu haben. Nun muss die Gemeinde mit den Ergebnissen, die sie erst vor der Sommerpause  bekommen hat, arbeiten. „Wir werden dranbleiben“, verspricht Pfarrer Martin Papies.

 

Was ist die Portfolioanalyse?