Nach seiner Gründung mietete der Verein zunächst ein total heruntergekommenes Haus am Bahnhof an und renovierte es gründlich. Doch 2004 mussten Verein und Wohnungslose umziehen, denn ihre alte Bleibe fiel der Neugestaltung des Bahnhofsbereiches zum Opfer. Damit man nicht noch einmal umziehen muss, kaufte der Verein mit Unterstützung der Kirchen und der Stadt das Haus, An der Nordbahn 1. Rund 500.000 Euro haben Kauf und Instandsetzung verschlungen – längst ist noch nicht alles bezahlt.
Aber die Männer haben nun ein zu Hause. Gute Seele des Hauses ist Anni Lünenborg. Sie kocht, sie redet, sie leitet an und sie passt auf. „Unsere Männer hier leben nur für den Augenblick. Wenn sie eine Aufgabe bekommen, muss man dahinter stehen, dass sie sie auch erledigen“, weiß sie, wovon sie spricht. Die Bewohner des Hauses müssen sich selbst versorgen, so gut es geht. Sie müssen ihre Kleidung und Bettwäsche selber waschen, doch Anni Lünenborg zeigt ihnen immer wieder wie das geht. Dienstags ist Putztag. Da müssen die Männer ihre Zimmer und Bäder sowie die Flure reinigen. Nachmittags geht eine Kontrolle durch das Haus.
Doch es wird nicht nur kontrolliert. Es wird vor allem viel geredet und zugehört. Gerade die Jugendlichen, die zunehmend beim Verein Unterschlupf finden, schämen sich für ihre Unterkunft. Dann setzt sich Anni Lünenborg mit ihnen an den Tisch in der Küche und spricht darüber und macht Mut.
Doch die Jugendlichen machen den Vereinsmitgliedern auch viel Sorge. Die meisten von ihnen stecken in einer Drogenkarriere, sind streitsüchtig und schleppen reichlich Fremde mit ins Haus. Und die machen dann auch schon mal lange Finger.
Gut also, dass nicht nur das Büro abschließbar ist, sondern alle Zimmer und die Kellerverschläge. Je einen bekommt jeder Bewohner um sein Hab und Gut dort zu verstauen. „Oft kommen die Männer ja aus Zwangsräumungen oder ähnlichem, und müssen ihre Sachen unterstellen“, erzählt Vereinsvorsitzender Günter Großmann. In weiteren Kellerverschlägen lagert der Verein Wäsche, Matratzen, Geschirr und anderen Hausrat bis hin zu Möbeln. „Alles Spenden“, sagt Großmann. Mit diesen Sachen werden die Bewohner der Dachwohnungen ausgestattet, wenn sie in eine eigene Bleibe ausziehen. „Eine Starthilfe, damit sie sich nicht gleich verschulden müssen“, sagt Großmann.
Und auch für die Ausgezogenen gilt: Im Haus an der Nordbahn finden sie immer einen Rat und Hilfe. „Der Kontakt ist erwünscht und wird von uns gefördert“, betont der Vereinsvorsitzende. Denn der Verein bietet viel mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Hier gibt´s menschliche Wärme und eine Perspektive.