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Start > Archiv > Geschichten > Fusion_Marl
 - Dr. Ulrike Preuß, Pfarrer Karl-Heinz Heidbreder und Pfarrer Volker Gravemeier (v.l.).
"Wir waren reif", ist sich Pfarrer Karl-Heinz Heidbreder sicher. Reif für eine Fusion: Acht Marler Gemeinden schlossen sich am 1. Januar 2004 zu einer Gemeinde zusammen - der Evangelischen Stadt-Kirchengemeinde Marl (esm). Der Fusion vorausgegangen ist eine 30-jährige Zusammenarbeit der Gemeinden im Stadtverband.
Ein Jahr danach wird eine positive Bilanz gezogen: Die Fusion ermöglicht konzentriertes Arbeiten und eine klare Aufgabenverteilung. Gerade in Zeiten knapper Kassen schaffe die flexiblere Struktur der Stadtgemeinde Raum für kreative Lösungen. "Wir haben viele Möglichkeiten das Spielbein einzusetzen und nicht nur das Standbein der Pflichtaufgaben", freut sich der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses Heidbreder. Weiterer positiver Nebeneffekt der Fusion: Die Bezirksausschüsse - ehemals Gemeindepresbyterien - haben sich verjüngt und verstärkt. "Da die Ausschüsse sich nicht mehr mit all den Formalien herumplagen müssen, sondern die Arbeit vor Ort konkret gestalten können, haben sich mehr und jüngere Menschen zur Mitarbeit bereit erklärt", erzählt Dr. Ulrike Preuß, Finanzkirchmeisterin und Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses. Die Amtszeit der Mitglieder der Bezirksausschüsse beträgt nur vier Jahre. Das erleichtert ebenfalls die Entscheidung für ein Engagement. Weiterer Effekt: Die Finanzgemeinschaft ermöglicht der Gemeinde, Bauvorhaben und ähnliche Großprojekte zu stemmen. "Als kleine Gemeinde ist man bei einer Kirchensanierung überfordert", weiß Karl-Heinz Heidbreder. Die große fusionierte Gemeinde dagegen kann ihre Kirchbauten nach und nach erfolgreich sanieren. Mit der Fusion gab es in manchen Fällen eine geringe Verschiebung der Gemeindebezirksgrenzen. Doch niemand wird gezwungen, dieser Verschiebung zu folgen. Dort wo Menschen zu Hause fühlen, dort können sie sich engagieren. Denn formal ist alles ohnehin eine Gemeinde. "Man ist immer noch an seinem Kirchturm zu Hause - aber an den anderen Kirchtürmen nicht mehr ganz so fremd", beschreibt Heidbreder. Natürlich seien gerade ältere Gemeindeglieder verunsichert gewesen. Fragen wie "Kann ich, obwohl ich zu einem neuen Bezirk gehöre, immer noch meine angestammte Frauenhilfe besuchen?" wurden häufig gestellt - und manchmal tauchen sie auch noch nach einem Jahr auf. Die Antwort: "Ja Sie können. Wir sind eine Gemeinde."
"Für die Gemeindeglieder hat sich nichts geändert", schätzt Pfarrer im Entsendungsdienst Volker Gravemeier, der im Kirchenkreis Recklinghausen die Gemeindewerdungsprozesse begleitet, die Entwicklung in der ems ein. Ein Eindruck, den auch Dr. Ulrike Preuß und Karl-Heinz Heidbreder teilen. Bereits vor der Fusion waren im Gemeindeverband Finanzen, Personalplanung und ähnliches zentral geregelt. "Da die Hauptfinanzen schon lange über den Verband abgewickelt wurden, gab es hier bei der Fusion keine Probleme", erinnert sich Finanzkirchmeisterin Dr. Ulrike Preuß. "Die Gemeindebezirke haben auch jetzt ein eigenes Budget."
Natürlich gab es auch kritische Stimmen zur Fusion. Gemeinden, die finanziell besser gestellt waren, waren zunächst nicht sehr scharf darauf, alles in einen Topf zu werfen. Und die Fusion bedeutet auch Verzicht für alle: "Mit dem 1. Januar 2004 verzichteten sie auf ihren Besitz und die eigenständige Pfarrwahl." Das liegt jetzt bei der Stadt-Kirchengemeinde.
Fusion wird angenommen
Inzwischen denken viele Marler in der großen Einheit: "Bei der Kirchenwahl 2004 wurde der Wunsch laut, alle Presbyter der Gemeinde wählen zu können. Nicht nur die des Bezirks. Das zeigt doch deutlich, dass die Menschen die Stadtgemeinde annehmen", freut sich Heidbreder. Und auch Predigtvertretungen quer durch die Stadt werden immer häufiger, Chöre arbeiten zusammen und vieles mehr.
Das Marler Fusions-Modell ist nach Einschätzung von Preuß, Heidbreder und Gravemeier ein Erfolgsmodell. Und was ist sein Geheimnis? "Die lange Vorlaufzeit im Gemeindeverband und die Begrenzung auf eine Stadt", so Heidbreder.
Lesen Sie hierzu auch: Die Struktur der Evangelischen Stadt-Kirchengemeinde Marl
Satzung der Evangelischen Stadt-Kirchengemeinde Marl (pdf) |
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© 2003-2008 Evangelische Kirche von Westfalen - Impressum Seite geändert am 23.12.08, 15:34
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