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Die Arbeit fängt jetzt erst an

„Das war ein hervorragender Weg die Gemeinde kennen zu lernen und reinzuwachsen“, sagt Andrea Richter aus Wewer. Sie war eine der 13 Mitglieder der „Arbeitsgruppe Gemeindekonzeption“ der evangelisch lutherischen Stephanus-Kirchengemeinde Borchen im Kirchenkreis Paderborn. Und sie war völlig neu in der gemeindlichen Arbeit.

„Ihr unverstellter Blick auf unsere Gemeindearbeit tat gut“, erinnert sich Pfarrerin Christel Weber an die Arbeit an der Konzeption. So wie überhaupt alle die verschiedenen Blicke, die von Jung und Alt, Presbyterinnen und Presbytern, Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen in diese intensive Arbeit mit einflossen. Rund acht Monate traf man sich alle zwei Wochen, um sich der Herausforderung Gemeindekonzeption zu stellen. Herausgekommen ist ein 36 Seiten starkes Heft, das die Gemeinde in all ihren Facetten zeigt und Prioritäten für die weitere Arbeit nennt.

Methodische Vorgehensweise ist wichtig

Glücklicher Zufall für die Arbeitsgruppe: Pfarrerin Christel Weber arbeitet auch als Gemeindeberaterin und war deswegen mit der methodischen Vorgehensweise rund um die Konzeption gut vertraut. Und die methodische Vorgehensweise ist nach Erfahrung der Gruppe wichtig, wenn man zu einem guten Ergebnis kommen will. Genauso wie der zeitliche Rahmen. „Wenn man eine zeitliche Grenze hat, wird nicht ins Kleinste diskutiert“, sagt Presbyterin Birgit Jörke. Auch wichtig: ausführliche Protokolle der Sitzungen, denn sie bilden einen guten Grundstock für die Konzeption. Und die 13 haben noch einen Tipp: Bloß nicht alles immer unter finanziellen Aspekten sehen. Visionen brauchen Raum.

Diskutiert wurde in Borchen eifrig und offen. „Wir konnten auch negative Dinge ansprechen“, berichtet der ehemalige Kirchmeister Norbert Struck. Pfarrerin Christel Weber weiß: „Bei einer solchen Arbeit ist es völlig normal, dass sämtliche Konflikte in einer Gemeinde aufbrechen. Auch das was eher unterschwellig rumort, kommt dann an den Tag.“ Eine Prozess der sehr fruchtbar sein kann. Das haben auch die Borchener erfahren.

Viele Kinder und Jugendliche

Die Gemeindekonzeption beschäftigt sich mit dem Ist-Zustand in Borchen, einer wachsenden Diaspora-Gemeinde, die mit dem Stephanus-Haus nicht nur ein Gemeindehaus, sondern gleichzeitig noch eine Jugendeinrichtung und ein Gästehaus hat. Einer Gemeinde, in der viele Kinder und Jugendliche wohnen und die nicht den kommunalen Grenzen entspricht.

Um einen Blick von außen auf das Gemeindeleben werfen zu können und das nicht nur Newcomerin Andrea Richter „aufzubürden“, lud die Arbeitsgruppe Politiker, Seelsorger der Nachbargemeinden, den Leiter der Volkshochschule und andere ein und befragte sie zu ihrem Eindruck der Gemeinde. Außerdem waren die 13 der Arbeitsgruppe mit Fragebögen unterwegs und befragten auch viele Nichtgemeindeglieder.

Biblische Leitworte

Im weiteren Verlauf wandte man sich den Stärken der Gemeinde aber auch den Dingen, die der Gemeinde zu schaffen machen, zu. Und man wandte sich der Bibel zu und fand zwei Leitworte: Matthäus 16,26 (Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und doch Schaden nimmt an seiner Seele?) und 2. Tim. 1,7 (Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.).

Die Konzeption endet mit Visionen: Erst kommen die Prioritäten, die man sich für die nächsten sieben Jahre vorgenommen hat. Die ersten drei werden dann detaillierter beschrieben: Gottesdienst am Sonntagabend einmal im Monat, Ehrenamtliche gewinnen und fortbilden, Besuchsdienst erneuern und verlässlich machen. Und man will die Kompetenz als Gemeinde für Jugendliche stärken, indem sich die Gemeinde bewirbt, dass sie Zentrum für Kinder und Jugendliche im Kirchenkreis Paderborn wird.

Und, sind die Gruppenmitglieder froh, dass ihre Arbeit getan ist? „Die fängt doch jetzt gerade an“, sagen alle. Denn jetzt geht es an die Umsetzung.