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Eine Bücherei für alle

Lucy und Willi sind immer dabei, wenn die Kinder in Bottrop-Fuhlenbrock etwas Tolles zum Lesen bekommen. Die beiden Handpuppen, die ursprünglich im Kindergottesdienst der Evangelischen Gemeinde eingesetzt wurden, haben zwischen Büchern, CDs, CD-Roms und Videos ein neues Zuhause bekommen. Und ein neues Aufgabengebiet: Sie sind „Animateure“ in der Öffentlichen Kinder- und Jugendbücherei, die ihren Namen trägt.

Die Bücherei der Evangelischen Gemeinde in Fuhlenbrock ist einer der drei Preisträger des „Förderpreises Kreatives Ehrenamt“ 2008 der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW). Seit 2003 leistet die Gemeinde mit ihrer öffentlichen Bibliothek einen wichtigen Beitrag zur Bildung der Kinder und Jugendlichen im Stadtteil. Und zwar ausschließlich spendenfinanziert. „Wir denken gegen den Strich“, beschreibt Ilka Lautner (40) die Kreativität der Büchereigruppe beim Einwerben von Geldern: Sieben Friseurinnen schnitten Kindern und Jugendlichen am Welttag des Buches in der Bücherei für fünf Euro die Haare. Das Geld ging an Lucy und Willi. Zwei Garagen voll gesammelten Trödels brachten bei einer Verkaufsaktion in der Stadt 1400 Euro. Oder die Konfirmanden lesen in Geschäften vor und bekommen dafür Geld – wie bei einem Sponsorenlauf.

Bücherpakete und Veranstaltungen

Zwar ist das Geld wichtig, doch entscheidend sind die Inhalte und die Arbeit. Und da kann das Team von 15 festen plus zehn lockeren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern richtig auftrumpfen. Regelmäßig gehen sie in Schulen und Kindergärten. Sie stellen Bücherpakete zu Unterrichtsthemen zusammen, veranstalten Lesungen und laden zu Aktionen rund ums Lesen ein. Einmal im Monat besuchen alle sechs Klassen der Paul-Gerhardt-Grundschule mit ihren Lehrern für zwei Schulstunden die Bücherei. Dann wird gebastelt, gelesen und spielerisch gelernt. Auch mit dem Evangelischen Kindergarten der Gemeinde gibt es eine solche Vereinbarung für die Gruppen mit den älteren Kindern.

Hat die Bücherei zunächst mit Büchern angefangen, verfügt sie inzwischen über alle gängigen Medien. Auch LÜK-Kästen wurden auf Wunsch der Lehrer angeschafft. Vom Preisgeld soll die Jugendlichen-Ecke ausgebaut werden. Dafür sollen die Konfirmanden sagen, was sie in ihrer Bücherei vermissen. „Wir wollen für die Jugendlichen auch eine Zeitung abonnieren“, verrät Ilka Lautner.

Qualität

Ein Schwerpunkt der rund 4800 Medien liegt auf christlichen und ethischen Themen. Aber natürlich finden sich auch die Kinderbuch-Klassiker in den Regalen. „98 Prozent unserer Bücher sind in neuer Rechtschreibung gedruckt“, betont Ilka Lautner. Ein Qualitätsmerkmal der Bücherei, die nicht nur von Kindern und Jugendlichen aus der Gemeinde genutzt wird.

 „Die Idee zur Bücherei kam 2000, als die ersten Ergebnisse der Pisa-Studie veröffentlicht wurden“, erinnert sich Ilka Lautner. Die Gruppe holte sich Rat bei der Bücherei-Fachstelle der EKvW und machte Fortbildung. „Die Büchereifachstelle hat uns wirklich sehr geholfen und tut das auch immer noch“, lobt Uta Wortmann (42) das Angebot.

Nach dem Gottesdienst

2003 startete das Team in der Sakristei. Inzwischen ist man in einen größeren Raum umgezogen. Öffentliche Ausleihe ist donnerstags und sonntags nach dem Gottesdienst. Und weil Eltern ihre Kindern gern in die gemütliche Bücherei begleiten, denken die Verantwortlichen über eine Ecke mit Elternratgebern nach. Denn diese öffentliche Bücherei richtet sich nach den Bedürfnissen ihrer Leser.