Den Dingen auf den Grund gehenWas sind eigentlich Stammzellen und ab wann ist ein Mensch ein Mensch? Zwei Fragestellungen, zwei Blickwinkel – einmal naturwissenschaftlich und einmal ethisch – und doch beides Themen des Evangelischen Forums Münster (efm).
Wir möchten den Dingen auf den Grund gehen“, beschreibt Jörg Simonsmeier vom efm-Vorstand einen Grundsatz des Vereins, der 2008 mit dem „Förderpreis Kreatives Ehrenamt in der Evangelischen Kirche von Westfalen“ ausgezeichnet wurde. Deswegen machte sich das Forum zunächst im Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin schlau und dachte später gemeinsam mit Referent Prof. Dr. Dr. h. c. Richard Schröder aus Berlin über den Status von Embryonen vor dem Beginn der Schwangerschaft nach. „Der Besuch im Max-Planck-Institut hat die Grundlagen für den Vortrag und die Diskussion gelegt“, sagt Jürgen Neiß vom efm-Vorstand.
Pendant zur katholischen Akademie
1996 wurde das Forum auf Initiative vom evangelischen Bildungsexperten und Religionspädagogen Prof. Günter Böhm gegründet. Die Idee: Ein evangelisches Bildungsangebot in Münster als Pendant zur katholischen Akademie Franz-Hitz-Haus. „Eigentlich ist die Idee erheblich älter, doch realisiert wurde sie eben erst vor zwölf Jahren“, sagt Simonsmeier. Bis zu 40 Veranstaltungen organisiert das efm im Jahr – alles ehrenamtlich. „Damit kommen wir an unsere Grenzen“, so efm-Vorstandsmitglied Eberhard Schmidt.
Das Veranstaltungsangebot ruht auf vier Säulen: Vorträge, Seminare, Gottesdienste und Studienreisen. Die Themen reichen von Politik und Kultur über Wissenschaft und Technik bis hin zu persönlicher Entwicklung und Spiritualität. Eben Themen, die auf den Nägeln brennen. „Die Breite ist uns wichtig“, betont Jörg Simonsmeier. Das efm ist ökumenisch, wenngleich es im katholischen Münster auch deutliches evangelisches Profil zeigen möchte. Doch die gute Nachbarschaft zu katholischen Gemeinden und Einrichtungen, die Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit ist den Mitgliedern des Forums wichtig.
Zu Gast an verschiedenen Orten
Ein festes Haus hat das efm nicht. Vielmehr ist man zu Gast in verschiedenen Gemeindehäusern, bei der Evangelischen Studierendengemeinde und in Kirchen. Auch das gehört zur Philosophie. Die Apostel- und die Erlöserkirche sind Schauplatz der schon traditionellen Stadt- bzw. Adventspredigten. Eine thematische Klammer verbindet diese Predigten, zu denen sich gerne auch Gastprediger einladen lassen.
Überhaupt kommen namhafte Referenten inzwischen gern zum Evangelischen Forum Münster. Viele der Kontakte knüpfte Professor Günter Böhm. Der Vorsitzende des Vereins starb im August 2008. Vom Preis hat er noch erfahren – die Preisverleihung hat er nicht erlebt.
Die Arbeit des Evangelischen Forums Münster geht weiter. Der Vorstand will die Arbeit in der gewohnten Qualität fortsetzen – im Sinne Böhms und in ihrem eigenen. Denn Simonsmeier, Neiß und Schmidt sind überzeugt: Die Arbeit lohnt sich. Das sah die Förderpreis-Jury auch so. |