Evangelische Kirche von Westfalen: Reformprozess Kirche mit Zukunft
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 Reformprozess der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Evangelische Kirche von Westfalen

Geklärte Strukturen als Basis

„Wir verstehen unser Vorgehen nicht als alternativ oder konkurrierend zu anderen. Wir haben uns dazu entschieden, zunächst auf der Kirchenkreisebene die realen Organisations- und Personalentscheidungen in den Prozess der Konzeptentwicklung zu integrieren, weil wir so den kirchlichen Auftrag und die soziale Gestalt der Kirche am besten auf die veränderten Umstände beziehen konnten“, sagt Superintendent Dr. Dieter Beese vom Kirchenkreis Münster.

Dieser synodale Prozess ist durch die theologische Perspektive „Evangelische Volkskirche in der Diaspora“ inhaltlich konturiert und orientiert. „Evangelisch“ steht für den Glauben an das Evangelium von Jesus Christus auf der Grundlage der Bekenntnisse. „Volkskirche“ betont das Priestertum aller Gläubigen, und „Diaspora“ nimmt zum einen Bezug auf die Situation der evangelischen Kirche im überwiegend katholischen Münsterland und zum anderen darauf, dass die evangelischen Christen zu einem großen Teil in diese Gegend eingewandert sind.

Synodalbereiche, Synodalregionen und Kreissynode

Strukturell hat sich im Kirchenkreis Münster in den vergangenen Jahren viel getan. So arbeiten die Gemeinden in zehn Synodalbereichen, in drei Synodalregionen und der Kreissynode zusammen. Nicht nur die Gemeinden entwickeln für sich Konzepte, sondern auch die Synodalbereiche und -regionen.

Die Struktur ermöglicht den Gemeinden, beispielsweise auf Regionen-Ebene gemeinsame Projekte durchzuführen oder in bestimmten Bereichen Arbeitsteilung zu organisieren, oder Vereinigungen vorzubereiten und durchzuführen. „Die parochialen Ebenen sind beschrieben und für den Kirchenkreis transparent gemacht“, sagt Dieter Beese. „Eigenständigkeit und Kooperationswillen sind ins Konzept eingebunden.“ Die Zahl der Gemeindepfarrstellen wurde von 46 auf 32,5 reduziert.

Sieben Jahre hat die Umstrukturierung des Kirchenkreises gedauert, die von der Konzeption dargestellt wird. Neu geschrieben wurden beispielsweise Kirchenkreis- und Finanz-Satzung sowie die Geschäftsordnung, die kirchlichen Dienste wurden rekonstruiert, Fachbereiche mit dem Budget verknüpft und der gemeindliche Bereich neu geordnet. „Wie eine Puppe in der Puppe in der Puppe“, so der Superintendent.

Sieben Lebensäußerungen der Kirche

Die Konzeption beschreibt sieben Lebensäußerungen der Kirche, aus der sich Handlungsfelder ergeben: Gott feiern (Gottesdienst und Kirchenmusik), öffentliche Verantwortung übernehmen (Öffentlichkeitsarbeit und Kultur), aus Glauben frei sein (Seelsorge und Beratung), aus Glauben leben lernen (Bildung und Erziehung), Nächstenliebe leben (Diakonie und gesellschaftliche Verantwortung), mit der ganzen Schöpfung hoffen (Mission und Ökumene) und die Kirche gemeinsam leiten (Leitung und Verantwortung).

Diese Lebensäußerungen spiegeln sich auf kreiskirchlicher Ebene in den sieben Fachbereichen wider. Die münstersche Kirchenkreiskonzeption bildet reale Entwicklungsprozesse im Kirchenkreis ab. „Kirchenbild und Leitbild haben einen visionären Überschuss. Die Dynamik für die Realisierung entsteht durch die Zielorientierung“, so Beese.

Zielvereinbarungen

Die Entwicklungen auf Kirchenkreisebene werden in allen Bereichen durch Zielvereinbarungen gesteuert. Die Einführung von Zielprozessen in den Gemeinden ist Inhalt eines Pilotprojekts. Das Zielsystem orientiert sich an den vier Leitzielen, die auch aus dem landeskirchlichen Reformprozess „Kirche mit Zukunft“ bekannt sind: Glauben leben, Menschen gewinnen, Mitglieder stärken und Verantwortung übernehmen. „Die Zielprozesse sind realistisch und kleinschrittig geplant. Die Schritte sind nachvollziehbar, aber auch jederzeit korrigierbar“, erklärt Superintendent Beese.

Gemeindekonzepte zu entwickeln, so Beese, ergibt eigentlich nur in geklärten Strukturen einen Sinn. Jetzt können sich die Gemeinden an der vorliegenden Kirchenkreiskonzeption inhaltlich und formal orientieren. „Natürlich entwickeln die Gemeinden ihre Konzeptionen, wie sie wollen – entlang den synodalen Vereinbarungen. Aber für viele ist unsere Kirchenkreiskonzeption eine gute Richtschnur“, so Beese.

Der Kirchenkreis ist mit gutem Beispiel vorangegangen. Inzwischen, zum Teil auch parallel zum synodalen Prozess, arbeiten die Gemeinden und Synodalbereiche an ihren Konzeptionen. „Unser Weg ist nicht besser oder schlechter, aber er ist unseren Bedürfnissen angepasst und hat gut funktioniert“, so Dr. Dieter Beese.

Lit.: Beese, Dieter, Protestantisch in Münster, Aschendorff Verlag Münster 2005, ISBN 3-402-03448-4

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 Zitat zum Reformprozess:
Wir bieten Orientierung.
Weil Jesus Christus unserem Leben Orientierung gibt, geben auch wir Auskunft über unsere Hoffnung und das Fundament, das uns im Leben und Sterben trägt. Durch unser Bildungshandeln stärken wir junge und erwachsene Menschen, damit sie Verantwortung für sich und die Gesellschaft übernehmen. Wir suchen den Dialog mit fragenden und nachdenklichen Menschen aller Altersstufen und machen ihnen Mut, sich in ihrem Leben an den Geboten Gottes zu orientieren.