Evangelische Kirche von Westfalen: Reformprozess Kirche mit Zukunft
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 Reformprozess der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Evangelische Kirche von Westfalen

Pfarramt nicht einseitig überhöhen

Alleskönner sollen sie sein, akademisch gebildet und doch volksnah, moralisches Vorbild und doch Menschen wie du und ich, einfühlsame Begleiter in allen Lebenslagen und zugleich in professioneller Distanz: Die Rede ist von den Pfarrern. 1500 Frauen und Männer üben in der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) diesen Beruf aus, hinzu kommen 500 weitere im "Entsendungsdienst", die noch keine reguläre Pfarrstelle innehaben. Im Reformprozess "Kirche mit Zukunft", in dem sich die Landeskirche seit gut fünf Jahren befindet, ist die Reform des Pfarrbildes ein so gewichtiges Thema, dass sich eine von vier Projektgruppen damit befasst. Das bisherige Ergebnis dieser Arbeit wurde am Freitag (7.5.) in Dortmund präsentiert und beraten.

Im Jargon des Reformprozesses heißt eine solche Zusammenkunft "Landeplatz": Mitglieder der Kirchenleitung diskutieren gemeinsam mit den Haupt- und Ehrenamtlichen, die sich in der Reformarbeit engagieren. Sinn der Übung: Die - manchmal recht theoretischen - Überlegungen und Entwürfe sollen "geerdet", also auf ihre Tauglichkeit in der Realität abgeklopft werden.

Es war ein umfangreiches Positionspapier, das die 60 Personen an diesem Nachmittag im Gemeindezentrum Reinoldinum vor sich hatten. Ausführlich und biblisch begründet beschreibt es Wesen und Auftrag des kirchlichen Amtes und seine organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Teildienst, Personalentwicklung, Fortbildung, Voraussetzungen für Stellenwechsel sind wichtige Gesichtspunkte. Eine konkrete Empfehlung, die bereits als Änderungsvorschlag der Kirchenordnung formuliert ist, sieht eine "individuelle" Gemeindekonzeption für jede der 624 Kirchengemeinden der EKvW vor. Von ihr sollen dann die Pflichten und Aufgaben des jeweiligen Pfarrers abhängen.

Mit Kritik an der Vorlage wurde nicht gespart: Zu sehr aus der Sicht der Berufstheologen sei das Bild gezeichnet, völlig ausgeblendet das Beziehungsgeflecht zu den anderen kirchlichen Berufen und zu den Ehrenamtlichen. Besonders das Verhältnis zu jenen, die eng verwandte Aufgaben erfüllen - Gemeindepädagogen, Diakone, Jugendarbeiter - müsse präzise und verbindlich beschrieben werden. Die Sprache des Positionspapiers sei außerdem in weiten Teilen für Nichttheologen kaum verständlich.

So war es eine Fülle von Anregungen, die an die Projektgruppe gegeben wurden. Beispiel: Alle Pfarrstellen sollten – mit der Möglichkeit einer Wiederwahl - grundsätzlich befristet werden. Oder: Regelmäßige Personalgespräche wären hilfreich, um die Arbeit gemeinsam zu überdenken und Fehlentwicklungen zu vermeiden.

Projektgruppenleiter Dieter Wentzek, Superintendent des Kirchenkreises Hagen, war am Ende zufrieden: „Die Kritik war zugespitzt auf die zentralen Fragen“, erklärte er. Die Gefahr, dass eine einseitige Profilierung des Pfarramtes zur Abwertung anderer kirchlicher Berufe führen könnte, sei klar gesehen worden. Auch Präses Alfred Buß betonte, dass „jeder Isolierung und Überhöhung des Pfarramtes mündig und deutlich widersprochen wurde.“ Das sei „richtig und wichtig“ in einer Kirche, welche die reformatorische Erkenntnis vom „Priestertum aller Gläubigen“ hochhält.

Dass die Vorlage noch nicht der „große Wurf“ war, hatte Pfarrer Wentzek gleich zu Beginn eingeräumt. Doch das ist schließlich das Wesen des westfälischen Reformprozesses: Grundlagen für eine Kirche mit Zukunft entstehen im gemeinsamen Suchen und Annähern. Nun muss sich die Projektgruppe wieder an die Arbeit machen. In mehreren Schritten wird der Ertrag des „Landeplatzes“ aufgenommen. Im Juli wird der überarbeitete Entwurf der Kirchenleitung vorgelegt, damit die Synode frühestens im Herbst darüber entscheiden kann.

Andreas Duderstedt

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Seite geändert am 23.12.08, 15:34

 

 Zitat zum Reformprozess:
Diese Kirche muss sich verändern, wenn sie zukunftsfähig sein will. Dazu gehört auch, dass sich die Rahmenbedin- gungen für Pfarrerinnen und Pfarrer so ändern, dass sie bessere Arbeit leisten und sich wieder auf die Grundaufgaben des Amtes konzentrieren können.“
Fritz-Uwe Schulte
Projektbüro, Geschäftsführer PG III