Evangelische Kirche von Westfalen: Reformprozess Kirche mit Zukunft
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 Reformprozess der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Evangelische Kirche von Westfalen

Gegen den Trend

In Nierenhof wächst die Gemeinde. Nicht zahlenmäßig, da weist die Statistik immer ungefähr 1900 Gemeindeglieder aus, die Gemeinde wächst beim Gottesdienstbesuch und bei den Aktiven in der Gemeinde. „Die Austritte und Eintritte in unserer Gemeinde halten sich die Waage, auch werden hier nicht mehr Kinder geboren, aber die Gemeindearbeit ist in den vergangenen Jahren insgesamt gewachsen“, erzählt Pfarrer Dirk Scheuermann.

1993 lag der durchschnittliche Gottesdienstbesuch in der kleinen Kirche am Hang zwischen 60 und 80 Menschen, jetzt kommen sonntags regelmäßig 360 Gläubige in das Gotteshaus. „Das ist völlig gegen den Trend“, ist sich Scheuermann bewusst.

Inzwischen ist der Platzbedarf der Gemeinde so groß, dass sie eine neue Halle gebaut hat. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn zwei Jahre lang haben viele freiwillige Helfer auf ihre freien Samstage, Freizeit unter der Woche und manchmal sogar Urlaub verzichtet und den Neubau fast in Eigenleistung hochgezogen. Finanziert wurde das ehrgeizige Projekt ebenfalls fast ausschließlich aus Eigenleistungen. 1,3 Millionen Euro hat die Halle gekostet. Zehn Prozent steuerte der Kirchenkreis Hattingen-Witten bei, der Rest kam aus Spenden. „Es gibt keine Schulden. „Die Halle ist bezahlt“, betont der Pfarrer.

Durch den Hallenbau wurden auch die Männer der Gemeinde angesprochen. „Männer wollen nicht Kaffee trinken und reden, sondern sie wollen anpacken. Die Gespräche, die bei der Arbeit entstehen sind aber auch schön“, sagt Dirk Scheuermann. Nach zwei Jahren Bauzeit bemerkt er allerdings momentan eine Ermüdung seines Bautrupps. „Die Kirche muss zwar dringend renoviert werden, aber damit werden wir wohl noch ein bisschen warten“, schmunzelt er.

Dass die gesamte Gemeinde für eine so lange Zeit an einem Projekt beteiligt war, führt der Seelsorger auf Verantwortungsbewusstsein und Zugehörigkeitsgefühl der Menschen zurück. „Ich glaube es liegt daran, dass die Gemeinde sich als Familie begreift“, vermutet er.

Die Gemeinde Nierenhof hat in den vergangenen Jahren konsequent auf missionarischen Gemeindeaufbau gesetzt. „Wir haben alle eingeladen“, sagt der Pfarrer, der mit „wir“ seinen großen und ständig wachsenden Stamm von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern meint. „Allein kann man so etwas nicht schaffen“, betont er. „Der Schlüssel des Wachstums ist, dass sich die Gemeinde insgesamt missionarisch aufgemacht hat.“ Man profitiere von ProChrist und habe viel vom Willow-Creek-Kongress gelernt. Die Gemeinde gab sich das Motto: „Bei Jesus ein Zuhause finden“. 

Kleingruppen und aktive Familienkreisarbeit sind Schwerpunkte der Gemeinde. Gottesdienst findet zeitgleich in mehreren Angeboten statt: für Erwachsene, für Kinder, für Kindergartenkinder und eine Kinderbetreuung. Danach trifft sich die Gemeinde zum Kirchcafé.

In der neuen Halle wird Sport gemacht, es finden Gemeindeveranstaltungen statt und manchmal wird dort auch Gottesdienst gefeiert. Dann werden ein großes Kreuz aufgehängt, Stühle hingestellt und der Raum schön geschmückt. Und so verwandelt sich die Halle in einen heimeligen Raum, in dem die Gemeinde sich geborgen fühlt.

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Seite geändert am 23.12.08, 15:34

 

 Zitat zum Reformprozess:
Wir machen uns auf den Weg zu den Menschen
Weil Gott auf uns Menschen zugegangen ist, wollen auch wir als seine Kirche auf die Menschen zugehen und ihnen die Wertschätzung weitergeben, die wir von Gott empfangen. Wir bieten Raum für Gespräche, nehmen die Menschen mit ihren Sinn- und Lebensfragen ernst und hören aufmerksam auf das, was sie an Kritik und Erwartung gegenüber der Kirche und dem Glauben bewegt.