Evangelische Kirche von Westfalen: Reformprozess Kirche mit Zukunft
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 Reformprozess der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Evangelische Kirche von Westfalen

Verbindlichkeit ist nötig

Am Reformationstag (31.10.) beginnt die Synode 2005. Vier Tage lang werden sich die Synodalen dann auch mit weiteren Vorlagen zum Reformprozess „Kirche mit Zukunft“ beschäftigen. Die Synode 2005 bildet aber zugleich den Abschluss der so genannten ersten Halbzeit im Reformprozess. Jenem Teil, den man als Prozessorganisation beschreiben könnte. Im folgenden Interview zieht der Vorsitzende des Prozess-Lenkungsausschusses Peter Burkowski eine erste Bilanz und gibt einen Ausblick auf die bevorstehende Synode.

Herr Burkowski, die erste Halbzeit des Reformprozesses endet. Wie ist Ihre Einschätzung? Haben die fünf Jahre sich gelohnt?

Auf jeden Fall. Zum einen haben wir in unserer Kirche gelernt, stärker strukturell zu denken. Zum anderen ist ein beachtliches Ergebnis- und Materialpaket entstanden, mit dem gearbeitet werden kann. Darüber hinaus, glaube ich, haben wir mit dem Reformprozess einen Beitrag zur differenzierten Integration in unserer Landeskirche geleistet. Beziehungen und Bekanntschaften wurden gestiftet und das „Wir-Gefühl“ in unserer Kirche verstärkt.

War der Reformprozess nötig?

Ja. Was wir vor sechs Jahren in der Reformvorlage theoretisch und abstrakt beschrieben haben, ist jetzt Wirklichkeit. Ich denke dabei an Themen wie Rückgang der Gemeindemitgliederzahlen, Finanzentwicklung und demografischer Wandel. Im Laufe des Prozesses haben wir eine Menge Antworten und Strategien auf diese Herausforderungen gefunden. Und zwar ganz praktische. Denn dies ist eine Zeit, wo man sich fragt, „was nützt ein großes Papier, wenn es keine Füße bekommt, um zu laufen“.


Gibt es besondere Erfolgsstories im Reformprozess?

Beispielsweise die regelmäßigen Mitarbeitendengespräche. Sie sind auf jeden Fall eine Erfolgsstory. Überall in unserer Landeskirche und auf allen Ebenen werden sie praktiziert. Besonders froh bin ich auch über das Kirchenbild. Es beschreibt unsere theologische Ausrichtung ebenso wie unsere Herkunft und unser Selbstverständnis. Und denen, die mir immer sagen, es sei nicht angekommen, sage ich: Lasst es ankommen. Legt es auf den Tisch des Presbyteriums, des Ausschusses, des Kooperationsgremiums, der KSV-Sitzung, der Dienstbesprechung und der Sparrunde. Nehmt es als Wegweiser und Maßstab in all unseren schwierigen Diskussionen. Jetzt muss es sich bewähren.

Es ist viel Nützliches erarbeitet worden. Haben Sie nicht die Befürchtung, dass vieles aber wieder in Vergessenheit geraten könnte?

Es reicht sicher nicht, die Ergebnisse der zweiten Halbzeit einfach nur festzustellen. Die Ergebnisse sollten Verbindlichkeit bekommen. Das kann nach unsrer presbyterial-synodalen Ordnung nur jede Ebene für sich tun. Es wäre schön, wenn die Synode die Gliederungen unserer Kirche um die Herstellung einer solchen Verbindlichkeit bitten würde.

Sind denn auch Punkte offen geblieben?

Ja. Themen wie Diakonie, Ökumene und Bildung wurden im Reformprozess gar nicht besprochen. Aber vor allem haben wir das Verhältnis von Ordinierten und den Mitarbeitenden im Ehren- und Hauptamt – also die „Dienstgemeinschaft“ – nicht wirklich klar. Auch wenn die Landessynode 2005 über das Papier „In der Kirche unter den gegenwärtigen Bedingungen miteinander arbeiten“ beschließen wird, so bleibt die Frage der Dienstgemeinschaft meines Erachtens auf der Tagesordnung.

Apropos Synode, es wird weitere Vorlagen aus den Projektgruppen geben. Welche?

Eine Vorlage beschäftigt sich mit dem Thema Gemeindekonzeptionen, dann gibt es die eben erwähnte Vorlage und dann noch zwei Vorlagen der Projektgruppe IV. Diese Gruppe hat sich ja ganz intensiv mit Leitungs- und Strukturfragen innerhalb der Kirche auseinandergesetzt. Viele Vorschläge wurden bereits in der Kirchenleitung beraten und beschlossen und dem Landeskirchenamt zur weiteren Bearbeitung übertagen. Die Synode beschäftigt sich mit „Einführung von Planungsgesprächen“ und „Einheitliche EDV in der EKvW“.

Die erste Halbzeit des Reformprozesses geht mit der Synode zu Ende. Wie wird es weiter gehen?

Der Reformprozess geht auf jeden Fall weiter. Jetzt geht es an die Umsetzung. Die Projektgruppen und der Prozess-Lenkungsausschuss haben allerdings ihre Aufgaben erfüllt und werden aufgelöst. Statt dessen wird ein Reformbeirat berufen, der als Beratungsbeirat in Sachen „Kirche mit Zukunft“ für die Kirchenleitung fungieren wird.

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Seite geändert am 23.12.08, 15:34

 

 Zitat zum Reformprozess:
Menschen werden immer nach dem Woher und Wohin des Lebens fragen. Als Kirche haben wir dazu Gutes zu sagen und vorzuleben. Darum müssen wir daran arbeiten, auch in Zukunft als ernsthafte Gesprächspartner wahrgenommen zu werden.“
Annette Muhr-Nelson
Prozesslenkungs- ausschuss