„Wenn jemand zu uns kommt, um wieder einzutreten, lassen wir den Griffel sofort fallen“, sagt Superintendent Klaus Majoress vom Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg. Dort befindet sich die Wiedereintrittsstelle direkt im Kreiskirchenamt in Lüdenscheid, direkt in der Superintendentur.
„Wir haben die Eintrittsstelle ganz bewusst an das Kreiskirchenamt angebunden, denn es ist ein Anlaufpunkt für die Region und durchaus in den Köpfen der Menschen als zentrale Stelle verankert“, so Majoress, der sich die Aufgabe seit kurzem mit Pfarrerin Brigitte Kölling teilt. „Als ich das noch allein machte, bin ich auch schon mal aus einer Sitzung raus. Ein Wiedereintritt hat absolute Priorität“, sagt er.
Dank ihrer räumlichen Verbindung mit der Superintendentur ist die Eintrittsstelle des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr besetzt. Eine Tatsache, die sich rumgesprochen hat. Wurde am Anfang noch telefonisch ein Termin vereinbart, kommen die Leute zunehmend einfach vorbei.
Gute Öffentlichkeitsarbeit
„Das liegt natürlich auch an unserer guten Öffentlichkeitsarbeit“, sagt Majoress. Die Presse berichtet regelmäßig von der Eintrittsstelle und auch das Team geht in die Öffentlichkeit. Beispielsweise bei großen Festen oder Hochzeitsmessen, wo die Evangelische Kirche mit einem Stand präsent ist. „In zwei Tagen konnten wir acht Menschen aufnehmen“, erzählt Majoress von einem Einsatz auf dem Stadtfest.
Die Wiedereintrittsstelle in Lüdenscheid ist zentral. „Das hat sich deutlich bewährt, weil das Kreiskirchenamt bekannt ist“, betont Klaus Majoress. Doch da der Kirchenkreis ländlich strukturiert ist, gibt es außerdem Pfarrerinnen und Pfarrer, die als Ansprechpartner für den Wiedereintritt in der Region dienen.
Klaus Majoress und Brigitte Kölling nehmen sich Zeit für die Menschen, die zurück in die Kirche wollen. „Zunächst geht es ja um die formale Aufnahme, doch oft entwickeln sich lange und tiefgründige Gespräche“, erzählt der Superintendent.
Die Gründe für die Rückkehr zur Evangelischen Kirchen von Westfalen sind vielfältig. Ein angestrebtes Patenamt, die Bewerbung um eine Arbeitsstelle bei einem kirchlichen Träger oder schlicht und einfach Heimweh nach der Kirche. Viele Menschen wissen nicht, wie sie wieder eintreten können. Also wenden sie sich ans Kreiskirchenamt, das im Kirchenkreis sehr bekannt ist. Oder sie scheuen das komplizierte Verfahren in den Ortsgemeinden und freuen sich über die Alternative.
Kirchensteuer spielt keine Rolle
Übrigens: 80 Prozent der wieder Aufgenommenen sind zwischen 35 und 50 Jahre alt und arbeiten mit Steuerkarte. Beim Wiedereintritt spielt die Kirchensteuer keine Rolle, wissen Kölling und Majoress.
Der Vorteil von der Eintrittsstelle im Kreiskirchenamt ist dass alle verwaltungsrelevanten Vorgänge sofort abgewickelt werden können – bis hin zur Bescheinigung für das Einwohnermeldeamt. Eine eher negative Begleiterscheinung der wachsenden Bekanntheit und zentralen Lage der Wiedereintrittsstelle ist, dass nun auch die Anfragen nach Austritten auf den Tisch des Superintendenten kommen. „Aber das kann ja auch eine Gelegenheit sein“, sagt Majoress.