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„Das ist eine große Chance. Wo bitte ist Kirche mit einer wichtigen Funktion ständig in der Arbeitswelt präsent“, sagt Pfarrer Detlev Schnell, Klinikseelsorger in Bad Berleburg und Wiedereintrittspfarrer im Kirchenkreis Wittgenstein. In dieser Kombination liegen für Schnell der Reiz und die Möglichkeiten der Stelle.
Der Pfarrer arbeitet an zwei Kliniken für neurologische bzw. psychosomatische, psychoanalytische und sozialpsychiatrische Medizin. Er ist Ansprechpartner für Klinikpersonal und Patienten. Ein Namensschild weist ihn als Mitglied der Kliniken und als Pfarrer aus. Das ist die ständige Präsenz, die er als Chance empfindet. „Als Klinikpfarrer in einem Arbeitsbetrieb bin ich jeden Tag da“, sagt er.
In seelsorgerlichen Gesprächen keimt oft der Wunsch auf, zurück in die Kirche zu gehen. „Das geht nicht schnell, sondern dieser Entschluss reift“, sagt der Pfarrer. Er vergleicht diese Annäherung mit dem „Vorhof der Heiden“ im Jerusalemer Tempel. „Im Gespräch mit mir können die erst mal gucken, wie ist Kirche“, erklärt er. Seine Aufgabe sei es den „Vorhof“ gastlich und schön zu gestalten. Wiedereintritt, das betont er, ist nicht das Primäre seiner Arbeit.
Doch die Aufgabe ist ihm wichtig. Schließlich hat er sich für sie gemeldet, als Superintendent Hans-Jürgen Debus 2004 fragte, ob jemand Interesse an einer Wiedereintrittsstelle habe. Als sich kein Gemeindepfarrer meldete, sagte er zu. „Meine Kollegen haben mich zunächst mit Skepsis beäugt“, erinnert sich Schnell. Im traditionellen Wittgenstein mit selbstbewussten Gemeinden war der Wiedereintritt bis dahin Domäne von Pfarrer und Presbyterium. „Sie mussten erst lernen, dass es nun auch einen anderen Weg zum Wiedereintritt gibt“, sagt Detlev Schnell. Inzwischen klappe die Kooperation gut.
Die Eintrittsstelle im Kirchenkreis Wittgenstein ist also ein „Ein-Mann-Unternehmen. „Die Wiedereintrittsstelle läuft quasi mit mir rum“, sagt Schnell scherzhaft. Wiedereintrittswillige können Termine vereinbaren, dann kommt er nach Haus. Auch in seinem Büro an der Klinik ist Schnell zu erreichen. Und er sucht nach Verbündeten. Spricht mit der Diakonie, ob man in deren Büros eine Möglichkeit zum Eintritt schaffen kann. Und er will mit der Gemeinde Bad Berleburg alle Ausgetretenen kontaktieren, ob der Wille zum Fernbleiben noch aktuell ist.
Und natürlich ist er auch der Wiedereintrittspfarrer für die Patienten. Oft ergibt sich während der Therapie in der Klinik auch der Wunsch, sich wieder mit der Kirche auseinanderzusetzen „Ich kann auch Menschen in andere Landeskirchen aufnehmen“, erklärt er. Doch zunächst nutzen ihn die Patienten, um ihren Ärger und ihre Enttäuschung über die Kirche los zu werden. „Dabei differenzieren die Leute nicht mehr zwischen katholisch und evangelisch“, sagt der Seelsorger.
Schnell hört zu und versucht die Menschen mit dem Herzen zu gewinnen.
Neben seinem Büro befindet sich ein Andachtsraum. Das Altarbild mit Kreuz, Herz und Anker (für Glaube, Liebe und Hoffnung) haben Patienten selbst entworfen und gefertigt. „Hier erkläre ich auch liturgische Fragen, wenn sie gestellt werden“, erzählt der Pfarrer. Und ansonsten ist der Raum eben das, was er sein soll: Andachtsraum, Rückzugsmöglichkeit für Patienten und Mitarbeiter, Ort der Stille und der Besinnung. Ein schöner Vorhof eben.
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© 2003-2008 Evangelische Kirche von Westfalen.
Alle Texte, falls nicht anders angegeben: Gesine Lübbers
Seite geändert am 23.12.08, 15:34