http://www.reformprozess.de/299.0.html
 

Zielgerichtete Veränderungen

Ein Blick in die Berichte der Sommer-Kreissynoden zeigt deutlich, wie sehr die Finanzen die Tagesordnungen bestimmen. Er zeigt aber auch, wie intensiv über den Auftrag und über das Selbstverständnis als evangelische Kirche überall nachgedacht wird.
„Kirche mit Zukunft“ steht seit der Reformvorlage 2000 für eine zielgerichtete und bewusste Veränderung unserer Kirche, die sich am Auftrag orientiert und die äußeren Herausforderungen (demografische Entwicklungen, Finanzentwicklungen) aufnimmt. „Kirche mit Zukunft“ – der Vorsitzende des Prozesslenkungsausschusses (PLA) Peter Burkowski berichtet über den Stand der Dinge und das, was kommt:

Kirchenbild

Mit der Entscheidung der Landessynode zum Kirchenbild in seinen beiden Teilen ist damit das Fundament für weitere, vertiefende Entscheidungen gelegt.
Die beiden Hefte „Unser Leben -Unser Glaube-Unser Handeln“ sowie „Unsere Geschichte -Unser Selbstverständnis“ laden Gremien, Mitarbeitende und die kirchliche Öffentlichkeit zur Diskussion und Auseinandersetzung ein. Gleichzeitig bieten sie eine gemeinsame Grundlage der Vergewisserung in unserer Kirche in Zeiten großer gesellschaftlicher Verwerfungen.
Unter der Überschrift „Kirche nahe bei den Menschen“ hat die Kirchenleitung eine Initiative beschlossen, die das Kirchenbild beispielhaft in bestimmten Regionen und Gemeinden verankern und kommunizieren soll. Einige Gemeinden haben die „Nacht der offenen Kirche“ zu Pfingsten zum Anlass genommen, die Inhalte der beiden Broschüren zum Kirchenbild – und somit über das eigene Selbstverständnis - zu diskutieren.

Regelmäßige Mitarbeitendengespräche

Neben dem Kirchenbild hatte die Landessynode für die landeskirchliche Ebene auch „Grundsätze über Leitung, Führung und Zusammenarbeit“ sowie die Einführung regelmäßiger Mitarbeitenden-Gespräche beschlossen. Dabei wurde den Kirchengemeinden und Kirchenkreisen die Übernahme der Grundsätze und die Einführung regelmäßiger Mitarbeitenden-Gespräche ebenfalls empfohlen. Einige Kirchenkreise und Kirchengemeinden haben sich hier bereits auf den Weg gemacht; andere sind noch zurückhaltend. In zwei Modell-Regionen (Tecklenburg und Dortmund) sollen nun regelmäßige Mitarbeitenden-Gespräche durchgeführt und die Erfahrungen ausgewertet werden.

Kirchengemeinden und Kirchenkreise

Innerhalb der Kirchengemeinden und Kirchenkreise hat die Diskussion um das Finanzausgleichsgesetz sowie der Rückgang von Kirchensteuern und Gemeindegliederzahlen einen großen Handlungsdruck erzeugt. Gemeinden haben pfarramtliche Verbindungen verabredet oder Fusionen beschlossen. Hierbei ist es gut, auf die Analysen, Daten und Modelle der Reformvorlage „Kirche mit Zukunft“ verweisen zu können. Auch wenn die Reformvorlage schon einige Jahre alt ist, bietet sie dennoch viele Ideen an, wie Gemeinden und Kirchenkreise ihre Zukunft gestalten können. Die Grundgedanken von Kooperation, Schwerpunktbildung bei gegenseitiger Entlastung, zielorientiertem Handeln und wertschätzendem Leiten sind nach Ansicht Burkowskis immer noch gut und hilfreich.

In nahezu allen Kirchenkreisen gibt es inzwischen Regelungen über die Bildung von Nachbarschaften oder Regionen, um die Zusammenarbeit von Kirchengemeinden verbindlicher zu gestalten.

Gestaltungsräume

Die Arbeit in den Gestaltungsräumen ist gut angelaufen. Die Grundidee gemeinsamer regionaler Zusammenarbeit und Verantwortung gewinnt Gestalt – wenn auch in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Hier zeigt sich deutlich der stärkere Handlungsdruck der Ballungsräume gegenüber den ländlichen Kirchenkreisen.

Ehrenamt

Einen besonderen Stellenwert hat das ehrenamtliche Engagement in unserer Kirche. Dies zeigt sich durch die Erarbeitung von „Kriterien zur Förderung einer beteiligungsoffenen und beteiligungsorientierten Kirche durch ehrenamtliches Engagement“ in der Projektgruppe II sowie durch den Anstoß zu einem Wettbewerb: Kreatives Ehrenamt in der Kirche.

In der Kirche miteinander arbeiten

Sehr intensiv hat sich die Projektgruppe II mit der Frage des Ehrenamtes sowie mit den hauptberuflich Beschäftigten in der EKvW auseinander gesetzt und sich um die Frage einer westfälischen Personalplanung und Personalentwicklung bemüht. So wurde eine Studie durchgeführt (Sozialforschungsstelle Dortmund), die deutlich gemacht hat, dass wir – auf Grund der Struktur unserer Kirche – kaum eine gemeinsame Personalplanung in der EKvW entwickeln können, sondern – aufbauend auf den schon vorhandenen Erfahrungen mit Instrumenten der Personalentwicklung – die regionalen Strukturen z.B. in den Gestaltungsräumen oder Kirchenkreisen nutzen müssen.
Gerade angesichts der gegenwärtigen Finanzlage stellen wir fest, dass die Kirchengemeinde als Ebene der Personalplanung und –entwicklung in der Regel zu klein ist und die größere Gemeinschaft braucht, um sich den Herausforderungen zu stellen und Beschäftigungssicherung zu ermöglichen.
Mit großem Engagement hat die Projektgruppe III am „Pfarrbild“ gearbeitet. Die vorgelegten Ergebnisse werden nun mit den Überlegungen zur Personalplanung und –entwicklung für Hauptamtliche zusammengebracht. Unter den veränderten Bedingungen (zurückgehende finanzielle Möglichkeiten und zeitliche Spielräume) sollen die Perspektiven „Hauptamtliche“ und „Pfarramt“ zusammengehalten werden. Unter der Blickrichtung des Kirchenbildes (Priestertum aller Getauften; ein Dienst – viele Ämter) wird das Themenfeld „In der Kirche miteinander arbeiten“ in unserer Kirche diskutiert und der Landessynode 2005 vorgelegt.

Was kommt?

Die Aufträge der Landessynode waren ebenso zahlreich wie umfangreich.
Inzwischen wurden eine Reihe von Veränderungsvorschlägen auf den Weg gebracht: Verkürzung der Amtszeit für Presbyterinnen und Presbyter auf vier Jahre; Vorschläge zur Verkleinerung der Kreissynoden; Vorschläge zur Verbesserung der Visitationspraxis in den Kirchenkreisen usw.. Diese Vorschläge erreichen die Kirchengemeinden und Kirchenkreise im Rahmen von Stellungnahmeverfahren.

Der Landessynode 2004 wird eine Ausarbeitung der Projektgruppe I zum Thema: „Mitgliederorientierung als Leitbegriff kirchlichen Handelns“ vorgelegt.

Die Frage „In der Kirche miteinander arbeiten“ steht ganz oben auf der Tagesordnung, um Wege des Rückbaus der kirchlichen Strukturen zu finden, die der Botschaft des Evangeliums angemessen bleiben. Die Situation unserer Kirche hat sich seit der Formulierung des „Auftrags“ im Jahr 2001 noch einmal deutlich verändert und verschärft. Unsere Kirche braucht für „gute“ Veränderungen Zeit, Geduld und einen langen Atem. Nur so werden Veränderungen diskutiert, verstanden und getragen.

Peter Burkowski