Ein „Netzwerk der diakonischen Nähe“ will die Evangelische Gemeinde Holzwickede knüpfen. Denn das ist es, was sich die Kirchennahen und –fernen des Ortes wünschen: Diakonisches Engagement und Profil. „Die Antworten bewegen sich zwischen den zwei Extremen ,Kirche soll was für mich tun´ einiger Kirchenfernen und ,wir wollen die Gemeindeschwester wiederhaben´ einiger Kirchennahen“, erzählt Pfarrer Christian Bald. Antworten, die im Rahmen des landeskirchlichen Projektes „Kirche fragt nach“ gegeben wurden. Über 50 Prozent der 140 Besuchten, schickten den ausgefüllten Fragebogen wieder an die Gemeinde zurück.
„Bei der Auswertung ist uns aufgefallen, dass einen starken Wunsch nach diakonischem Engagement gibt“, erzählt Presbyter Willi Cramer, der das Projekt federführend betreute. „Dabei gibt es bereits viel diakonische Angebote in unserer Gemeinde wie Blaues-Kreuz-Gruppe und andere Selbsthilfegruppen, Besuchsdienst, einen Kreis für pflegende Angehörige, die Gruppe Rat und Tat und so weiter“, sagt Cramer. Doch auch außerhalb der Gruppen gebe es einen hohen Bedarf an diakonischer Zuwendung. „Die Gemeindeglieder, die die Leute im Rahmen des Projekts besucht haben, haben einen großen Wunsch nach Gespräch und Besuch festgestellt“, erzählt Cramer.
Das Netzwerk soll die Angebote der Gemeinden nun verknüpfen und stärken. „Ein Dreh- und Angelpunkt für das Netzwerk der diakonischen Nähe soll das Pertheshaus in Holzwickede werden, das nach Auskunft des Pfarrers eine sehr gute Gemeindanbindung hat. „Wir möchten das Pertheshaus als so eine Art institutionalisierte Gemeindeschwester etablieren“, erklärt Bald. Konkret wird die Zusammenarbeit der Gemeinde mit dem Pertheswerk zum Beispiel in einer Senioren-Wohngemeinschaft, die man in einer ehemaligen Pfarrwohnung einrichten will.
Diakonie soll in Holzwickede gemeindenah sein. „In unserer Gemeindekonzeption haben wir festgeschrieben, dass wir jedes Jahr unter ein bestimmtes Thema stellen wollen. Wir beginnen 2008 mit einem Jahr der Diakonie“, erzählt Pfarrer Bald. Dieses Jahr steht auf drei Säulen: Präsentation, Information und Innovation. Präsentiert werden soll das Wesen der Diakonie. Was ist da eigentlich? Und welche Angebote gibt es in Holzwickede? Informiert werden soll über die Motivation. Was will die Gemeinde eigentlich und weswegen engagiert sie sich überhaupt diakonisch. Unter dem Stichwort Innovation will man das diakonische Angebot weiter entwickeln. „Dazu wollen wir alle relevanten Gesprächspartner an einen Tisch bekommen, also Diakonisches Werk Ruhr-Hellweg, Kommune, Pertheswerk und Gemeinde“, sagt Christian Bald.
Zwei Schwerpunkte soll das stärkere diakonische Engagement in Holzwickede haben: Zum einen will sich die Gemeinde der sozialen Entwicklung stellen. „Auch in unserer gut situierten Stadt müssen immer mehr Menschen die Tafel – die übrigens wir von Rat und Tat betreuen – in Anspruch nehmen“, erzählt Willi Cramer. Der zunehmenden Verarmung wolle sich die Gemeinde stellen und Angebote entwickeln. Das andere Thema heiße demografischer Wandel. „Es ist jetzt schon erkennbar, dass viele Menschen im Alter arm und nicht versorgt sind“, so Cramer. „Das Pfund der Kirche ist, dass wir nicht nach Minuten abrechnen müssen. Wir können unsere Zeit einbringen und die Satt- und Sauber-Pflege mit Dingen ergänzen, die uns wichtig sind.“