Gut gehütet im Tresor haben die ausgefüllten Fragebögen Weihnachtszeit und Jahreswechsel verbracht. Jetzt werden sie wieder hervorgeholt, denn das Projekt „Kirche fragt nach“ ist in Oberdorstfeld noch lange nicht beendet.
Vor einem Jahr entschloss sich die Gemeinde an dem landeskirchlichen Projekt teilzunehmen. Inzwischen ist sie Teil und damit Bezirk der großen Elias-Gemeinde im Dortmunder Westen. Doch „Kirche fragt nach“ läuft weiter. „Ich denke, einige Erkenntnisse aus der Umfrage können auch Ideen für die Gesamtgemeinde sein“, ist sich Pfarrer Thomas Weckener sicher. „Obgleich vieles auch sehr spezifisch nur für uns vor Ort gilt.“
Beharrlichkeit ist gefragt
Rückblick: Im Januar 2005 hörte Presbyterin Annette Müller von „Kirche fragt nach“ und war sich sicher: „Das machen wir auch!“ Fortan war das Projekt ihr „Ding“ und noch heute ist sie Federführende bei der Umsetzung. So jemanden braucht man auch“, schätzt Weckener die Energie und Beharrlichkeit Annette Müllers: „Unsereins geht doch wieder zu schnell zum Alltagsgeschäft über. Aber wenn es jemanden gibt, der einen immer wieder anstößt und das Ganze im Auge behält, kann so ein Projekt auch über mehrere Jahre gelingen.“
Bilder der Besucher
Nachdem Annette Müller das Projekt im Presbyterium vorgestellt und das OK für die Durchführung bekommen hatte, wurden die Besuchteams gesucht und geschult. Im November 2005 schrieb die Gemeinde insgesamt 180 zufällig ausgesuchte Gemeindeglieder an: Nach dem Motto „Wir würden Sie gern mal besuchen und mit Ihnen über unsere Gemeinde sprechen“ kündigte sie die Besuchteams an. Im Umschlag steckten der Fragebogen, der Projekt-Flyer und das Kirchenbild „Unser Leben – Unser Glaube – Unser Handeln“. Außerdem ein persönliches Anschreiben mit dem Foto des jeweiligen Besuchers.
Besuch nicht erwünscht
107 Fragebögen kamen zurück und die Besucherinnen und Besucher machten während der Interviewphase viele interessante Erfahrungen. „Viele der Angeschriebenen ließen sich am Telefon auf ein Gespräch ein, aber über ihre Schwelle ließen sie keinen“, erinnert sich Annette Müller. Manche füllten den Fragebogen sogar aus, warfen ihn dann in den Briefkasten im Gemeindehaus – aber besucht werden wollten sie nicht. „Es besteht wohl eine grundsätzliche Angst, fremde Menschen an sich ranzulassen“, ist Annette Müller nachdenklich.
Auch ganz andere – profane – Erfahrungen machten die Besuchsteams. „Viele Menschen haben keinen Festanschluss und Handynummern bekommt man nur schwer raus“, erzählt Müller. Aber davon ließ sich das Kirche-fragt-nach-Team nicht abschrecken: „Wir haben einfach Kärtchen in die Briefkästen gesteckt, auf denen wir um Rückruf baten.“
Unterstützung für Teams
Bei allen positiven Erfahrungen war das Besuchen ein mühsames Geschäft. Um Lust und Frust der ehrenamtlichen Fragesteller aufzufangen, lud die Gemeinde zu einem Zwischenfeedback und zu einem Abschlussabend ein. „Das war gut“, sagt Pfarrer Weckener.
Kirche soll Heimat geben
Und was ist nun rausgekommen bei der Befragung? „Wir sind noch in der Auswertungsphase, aber ein paar Tendenzen lassen sich erkennen“, schränkt Weckener zunächst die Allgemeingültigkeit seiner Aussagen ein. Grundsätzlich lasse sich sagen, dass die Mehrheit die Fragen lediglich durch Ankreuzen beantwortet hat. Ein paar Gemeindeglieder haben sich allerdings auch die Mühe gemacht, selbst zu formulieren. „Kirche soll auch Heimat geben – das war ein Wunsch, den man deutlich herauslesen konnte“, fasst Annette Müller zusammen.
Hat die Aktion denn etwas gebracht? „Oh ja. Vieles ist uns eigentlich klar, nur wir haben es nicht gemacht“, sagt Weckener. „Jetzt haben wir es schwarz auf weiß“.
Welche Konsequenzen die Gemeinde aus den Ergebnissen der Fragebogenaktion ziehen wird, ist noch nicht klar. Aber „Kirche fragt nach“ geht weiter – mit einem Projekt, dass die Umfrageergebnisse aufnimmt.
www.kirche-fragt-nach.de